Fall Kachelmann : Anklage lehnt Gutachter ab

Kann sich das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer Blutergüsse selbst beigebracht haben? Das legt ein Gutachten der Verteidigung von Moderator Jörg Kachelmann nahe. Zudem sagte die Mutter seiner Ex-Geliebten aus.

Eine Gerichtszeichnung zeigt am Mittwoch (22.09.2010) beim 4.Prozesstag im Fall Jörg Kachelmann in Mannheim den wegen Vergewaltigung angeklagten Wettermoderator mit einem seiner Anwälte, Reinhard Birkenstock.
Eine Gerichtszeichnung zeigt am Mittwoch (22.09.2010) beim 4.Prozesstag im Fall Jörg Kachelmann in Mannheim den wegen...Foto: dpa

Die Blutergüsse des mutmaßlichen Opfers sorgen im Mannheimer Prozess gegen den Fernsehmoderator Jörg Kachelmann für Zündstoff. Aus Sicht eines Gutachters der Verteidigung kann sich die 37-Jährige diese selbst beigebracht haben, um die Tat vorzutäuschen. Auch wird in dem Gutachten unterstellt, dass die langjährige Geliebte lange vor der angeblichen Tat „Selbststudien“ gemacht habe, um herauszufinden, wie Hämatome entstehen.

Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge hat Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Experten. Er stellte am Mittwoch im Prozess vor dem Mannheimer Landgericht einen Befangenheitsantrag gegen Gutachter Bernd Brinkmann. Das Gericht will zu einem späteren Zeitpunkt darüber entscheiden.

Der 52 Jahre alte Wetterexperte Kachelmann ist angeklagt, in der Nacht zum 9. Februar seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er selbst beteuert seine Unschuld.

Die 37-Jährige hatte unter anderem Blutergüsse an den Schenkeln und eine Verletzung am Hals. Die Verletzung entstand laut Anklage, als Kachelmann ihr ein Küchenmesser an die Kehle drückte.

In Brinkmanns Gutachten wird sowohl bezweifelt, dass der Schweizer der Frau die Halsverletzung während des Geschlechtsverkehrs zugefügt haben kann, als auch, dass Kachelmann ihr die Hämatome beigebracht hat. Begründet wird dies mit der spiegelbildlichen Symmetrie der Blutergüsse.

Zweifel an der Unvoreingenommenheit hat Oltrogge auch, weil Brinkmann auf frühere Bilder auf dem Computer der 37-Jährigen Bezug genommen habe, auf denen ältere Blutergüsse zu sehen sind. Der Sachverständige schloss daraus laut Anklage: „Sie wollte wissen, ob bei entsprechenden Einwirkungen Hämatome entstehen.“ Er ging von „zielgerichteten Selbstverletzungen“ etwa ein Jahr vor der angeblichen Tat aus. Für Staatsanwalt Oltrogge ist klar: Brinkmann habe auf ein Szenario hingearbeitet, „das der Vorstellung seines Auftraggebers entspricht“.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde am Mittwoch die 70-jährige Mutter des Opfers gehört. Die Befragung gehe in den familiären und persönlichen Bereich, begründete dies der Vorsitzende Richter Michael Seidling. Die Mutter hatte nach einer kurzen Angabe zu ihrer Person gesagt: „Ich bin sehr angespannt“, bevor Medienvertreter und Zuschauer den Saal verlassen mussten. Im Anschluss an ihre Aussage stand auch die Vernehmung ihres Mannes auf dem Plan.

Gehört wurden zuvor zwei Angestellte des Hotels, in dem Kachelmann am frühen Morgen des 9. Februar eingecheckt hatte, nachdem er der Anklage zufolge wenige Stunden zuvor seine Freundin vergewaltigt hatte. „Er kam ziemlich spät“, erinnerte sich eine 36-jährige Hotelfachfrau. Und: „Er war freundlich.“ Für sie sei das ein ganz normales Einchecken gewesen. Verletzungen habe sie an ihm nicht bemerkt. Nach der Aussage einer anderen Angestellten war Kachelmann von 03.30 Uhr bis 10.30 Uhr in dem Hotel eingecheckt. Der Moderator war danach nach Kanada geflogen; er wurde erst nach seiner Rückkehr am 20. März am Flughafen Frankfurt verhaftet.

In dem Verfahren wurden in den vorangegangenen Tagen die Anklage und die Aussage des Moderators verlesen. Außerdem wurde eine Tonbandaufnahme des Notrufs des mutmaßlichen Opfers vorgespielt. Auch eine seiner anderen Geliebten hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt.

Im Laufe des Prozesses sollen zunächst weitere Ex-Freundinnen gehört werden, erst danach das 37-jährige mutmaßliche Vergewaltigungsopfer. Kachelmanns Anwälte hatten dieses Vorgehen scharf kritisiert. Dienstaufsichtsbeschwerden seiner Anwälte gegen die ermittelnden Staatsanwälte blieben aber erfolglos. (dpa)

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