Welt : Farbe für die Fensterbank

Tulpen lieben den Solo-Auftritt. Doch sie lassen sich auch gut mit anderen Frühblühern kombinieren

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Schöner kochen. Vorgetriebene Tulpen sorgen für Frühlingsgefühle und passen auch gut in die Küche. Die kleinwüchsigen...

Tulpen beeindrucken jedes Jahr wieder mit ihrer Fülle an Formen und Farben. Immer kommen neue Sorten dazu und die schon reiche, fast unüberschaubare Palette wird größer. Eine ganz besondere Gruppe sind die Lilienblütigen Tulpen, die mit ihrer grazilen Blütenform und leuchtenden Blütenfarben bestechen. Einzeln, in Massen oder mit anderen Frühlingsblumen kombiniert, lassen sich mit ihnen eindrucksvolle Bilder schaffen.

Die eigentliche züchterische Entwicklung der Tulpen begann erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Damals brachte der Botaniker Eduard August Regel (1815–1892) von seinen Reisen nach Turkestan und Zentralasien zahlreiche neue Arten mit, der Niederländer van Tubergen führte aus dem Gebiet um das Schwarze Meer neue Arten ein. Sie verwendete man zu Kreuzungen, die auch auf spätere Züchtungen einen wichtigen Einfluss hatten. Ende des 19. Jahrhunderts brachte die Firma Krelage in Haarlem hohe spät blühende Tulpen als Darwin-Tulpen in den Handel, die J. F. Ch. Dix 1908 mit kleinen früh blühenden Duc-van-Tol-Tulpen kreuzte. Es entstanden die ersten Mendel-Tulpen, die bereits Mitte April blühen. Dix kreuzte 1908 auch Darwin-Tulpen mit der gelb blühenden Sorte ,Reflexa‘, die ihn mit ihren zurückgebogenen Blütenblättern an Lilien erinnerte. So entstand mit der kirschroten Sorte ,Siren‘ die erste Lilienblütige Tulpe.

Mit allen anderen Sorten hat sie die typische Form gemein: lange, spitze und in der oberen Hälfte beim Erblühen kelchartig nach außen gebogene Blütenblätter. Einige wurden wegen ihrer Schönheit und hohen Qualität mit besonderen Auszeichnungen wie dem Award of Garden oder dem Award of Merit bedacht, unter ihnen ,Ballade‘ (magentarot, weißer Rand), ,Ballerina‘ (orangegelb, rot geflammt), ,China Pink‘ (rosa), ,Dyanito‘ (leuchtend rot), ,Mariette‘ (dunkel porzellanrosa), ,Marjolein‘ (orange, karminrosa geflammt), ,Queen of Sheba‘ (leuchtend braunrot, Rand orange), ,Red Shine‘ (dunkelrot), ,West Point‘ (gelb) und ,White Triumphator‘ (reinweiß).

Im Garten lassen sich Lilienblütige Tulpen gut in Tuffs von fünf bis zehn Zwiebeln oder in kleinen Gruppen, aber auch großflächig auf Beeten verwenden. In Verbindung mit klassischen Frühjahrsblühern wie Stiefmütterchen oder Vergissmeinnicht sind sie ideale Partner für ausgefallene Kompositionen. Eingestreute Pflanzen von gelb oder orange blühendem Schöterich (Erysimum x allionii) setzen schöne Farbakzente. Reizvoll sind ebenso Tausendschön (Bellis perennis), die in den Farben weiß, rosa und rot zur Verfügung stehen.

Auch Stauden lassen sich gut mit Tulpen kombinieren. Sehr wirkungsvoll sind Polsterpflanzen wie Schleifenblume (Iberis sempervirens), Federnelken (Dianthus plumarius) oder Blaukissen (Aubrieta-Hybride). Aber auch andere niedrige Stauden wie Gemswurz (Doronicum orientale), Kaukasus-Vergißmeinnicht (Brunnera macrophylla), sonnenverträgliche Funkien-Sorten (Hosta-Hybride) oder neuere Sorten vom Kleinblütigen Purpurglöckchen (Heuchera micrantha) können interessante Partner sein.

Als Standort wählt man einen sonnigen, möglichst windgeschützten Platz. Tulpen gedeihen in jedem gut durchlässigen, lockeren Gartenboden, der humus- und lehmhaltig ist. Reine Sandböden sind dagegen ebenso wenig geeignet wie schwere Lehm- oder Tonböden. Vor dem Pflanzen empfiehlt sich, den Boden 25 bis 30 Zentimeter tief zu lockern und gegebenenfalls mit gut verrottetem Kompost, Knochenmehl oder Hornspänen anzureichern. Pflanzzeit sind September und Oktober. Als Pflanztiefe gilt die dreifache Höhe der Zwiebeln und ein Abstand von etwa zehn Zentimetern. Nach dem Pflanzen bedeckt man den Boden mit gut verrottetem Kompost.

Im Frühjahr wird eine Gabe Volldünger verabreicht, sobald die zusammengerollten Blätter den Boden durchbrechen. Sind sie erst einmal entrollt, setzt sich der Dünger nämlich in den Blattachseln fest und führt zu Verbrennungen. Kurz vor der Blüte empfiehlt sich noch einmal eine Gabe Kalkammonsalpeter, der vorsichtig zwischen die Pflanzen gestreut wird, damit er nicht auf die Blätter fällt.

Trotz guter Ernährung müssen die Tulpen nach zwei bis vier Jahren aus dem Boden genommen und an einem anderen Standort neu gepflanzt werden. Man nimmt sie mit dem Absterben der Blätter auf und trocknet sie in einem luftigen Raum wie Schuppen oder Laube. Dann werden sie gereinigt und sortiert. Beschädigte und kranke Zwiebeln sortiert man aus, die größten kommen an den vorgesehenen Standort. Dort sollten vier Jahre keine Tulpen gestanden haben.

Eine der ersten Sorten, die sich im Frühlingsgarten blicken lässt, ist allerdings nicht die Lilienblütige Tulpe, sondern ihre niedrig wachsende Verwandte die tulipa kaufmanniana. Wegen ihrer frühen Blüte, die bereits im März beginnt, gehört sie neben einigen Wildarten wie Tulipa tarda oder Tulipa praestans, aber auch Narzissen (Narcissus), Krokussen (Crocus) oder Blausternen (Scilla) zu den ersten Frühlingsboten.

Für den Garten werden vor allem Sorten mit kräftigen Farbtönen angeboten. Die Palette reicht von weiß, gelb, orange, rot bis rosa, wobei alle möglichen Nuancen vertreten sind. Sie entstanden ab 1930 durch Einkreuzen anderer Wildarten aus Zentralasien wie Tulipa greigii und Tulipa fosteriana. Tulipa kaufmanniana selbst stammt auch aus Zentralasien, wo sie vor allem im westlichen Tienschan zu Hause ist. Dort wächst sie auf den noch grünen Wiesensteppen, aber auch in Humusnischen über durchlässigem Gestein inmitten von Mandelbüschen (Prunus und Amygdalus). Die Pflanzen werden 15 bis 25 Zentimeter hoch und haben zwei bis drei breit-lanzettliche, graugrüne Blätter. Die Blüten sind bei der typischen Form rahmweiß mit gelbem Fuß und rot überlaufenden Blütenblättern. Da die Art stark variiert, findet man auch Pflanzen mit gelben oder rötlichen Blüten. Bei Sonne und ausreichender Wärme öffnen sich die Blüten weit und spreizen ihre Blätter nahezu waagerecht, sodass die Blüten sternförmig wirken und wie Seerosen aussehen. Deshalb nennt man Tulipa kaufmanniana auch Seerosen-Tulpe.

Erstmals 1877 botanisch beschrieben, interessierten sich holländische Züchter für die Art etwa ab 1930 und kreuzten sie mit anderen Wildtulpen. Vor allem Tulipa greigii und Tulipa fosteriana wurden verwendet und führten dazu, dass die Blüten größer und die Blütenblätter (Tepalen) breiter wurden und die Blätter mancher Sorten ein Streifen- oder Fleckenmuster erhielten. Die meisten Sorten entstanden zwischen 1940 und 1980, von denen einige heute zum Standard-Sortiment gehören. Besonders die holländische Firma van Tubergen brachte zahlreiche wertvolle Sorten auf den Markt, aber auch Belle & Teuwen oder J. C. van der Meer haben sich erfolgreich mit der Züchtung von Tulpen beschäftigt.

Der Standort der Seerosen-Tulpe sollte möglichst sonnig sein, wobei leichter Schatten auch vertragen wird. Da die Wildarten an ihren natürlichen Standorten in der Regel auf neutralen bis alkalischen Böden wachsen, vertragen auch die Sorten der Seerosen-Tulpen keinen sauren Boden. Der optimale pH-Wert liegt bei sechs bis acht. Und: Der Boden sollte nicht zu leicht, aber auch nicht zu schwer sein. Durch das Einarbeiten von gut verrottetem Kompost kann man ihn verbessern.

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