Welt : Feuer in der Manege

Am Wahlabend brannte ein historisches Gebäude in direkter Nachbarschaft des Kreml nieder. Die Brandursache ist noch ungeklärt

Elke Windisch[Moskau]

Nicht etwa, um die neuesten Hochrechnungen und Prognosen der Präsidenten-Wahl zu vermelden, unterbrachen sämtliche überregionalen TV-Kanäle Russlands am Sonntag abend das laufende Programm. Sondern, weil knapp 200 Meter vom Kreml entfernt die Manege brannte – ein etwa 400 Meter langes und rund 50 Meter breites Gebäude im Empire-Stil. mit liebevoll restaurierter, weißgelb getünchter Fassade, das unter Denkmalschutz steht. Jetzt stehen von dem Prachtbau nur noch die verkohlten, schwelenden Grundmauern.

Hunderte Moskauer und Gäste der Stadt fanden sich an der Brandstätte ein, als die Meldung gegen 21 Uhr 20 Uhr gesendet wurde und zeitweilig 60 Löschzüge bemüht waren, den Brand unter Kontrolle zu bringen, der sich wegen der hölzernen Verstrebungen der Stützkonstruktionen in Windeseile ausbreitete. Am Montag pilgerten vor allem Hunderte ausländische Touristen zu der Brandruine. Spezialeinheiten des Katastrophenschutzministeriums räumen die teilweise noch rauchenden Trümmer weg. Geschäftstüchtige Hobbyfotografen mit Sofortbildkameras machten ein gutes Geschäft, auch selbst ernannte Dolmetscher, die sich Papptafeln auf Brust und Rücken gebunden hatten, auf denen in Großbuchstaben zu lesen stand, in welcher Fremdsprache sie über die Historie der Brandruine erzählen können, verdienten gutes Geld.

Erbaut wurde die Manege vor 174 Jahren nach den Plänen des spanischen Ingenieurs und Architekten Agustin de Bethencourt y Molina, der unter Zar Alexander I. zum General der kaiserlichen Armee aufstieg. Der Architekt Ossip Bowe schuf später den dorischen Säulengang und die aufwendigen Fries-Ornamente. Mit der Manege sollte an den Sieg der russischen Armee über Napoleon 1813 erinnert werden. Als der Moskau 1812 besetzte, ging das Stadtzentrum im Flammen auf. Eine Katastrophe, zu der viele Beobachter auch nach dem gestrigen Brand Parallelen zogen. Anfangs als Reitstall für den Hochadel genutzt, später als Winterexerzierplatz wurde die Manege unter den Sowjets zunächst zur Garage für den Kreml und 1957 größtes Ausstellungszentrum des Landes.

Über die Brandursache kann bisher nur spekuliert werden. Als wahrscheinlich gilt ein Kurzschluss oder eine Störung im Belüftungssystem, die zu Überhitzung führte. Für möglich halten Experten auch, dass eine Leuchtrakete, die nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses abgefeuert wurde, den Brand auslöste. Das Gebäude sei nicht versichert gewesen, sagte der Generaldirektor der Manege, Stanislaw Karakasch. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow kündigte einen Wiederaufbau der Ausstellungshalle an.

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