Welt : Fliegen: Verlorene Koffer - Kratzer sind Bagatellen

Allein die Lufthansa befördert täglich und weltweit 105 000 Koffer. Verloren geht dabei so gut wie nichts. Die jeden Tag vergeblich auf ihren Koffer wartenden 400 Passagiere tröstet das nicht: "Wenn er nicht auf dem Laufband bei der Gepäckausgabe auftaucht, scheint eine Welt zusammenzubrechen. Nichts kommt einem schlimmer vor in diesem Augenblick", sagt der Lufthansa-Psychologe Reiner Kemmler, denn, "das Wichtigste fehlt: ein Stück Persönlichkeit."

Die soll natürlich möglichst rasch wieder herangekarrt werden. Dank eines ausgeklügelten Melde- und Suchsystems, dem World Tracer, bei dem die Daten von 100 Fluggesellschaften in einem Großrechner in Atlanta (USA) zusammenlaufen, finden sich 95 Prozent der verirrten Koffer innerhalb von fünf Tagen wieder ein. So mancher Kurzurlaub ist bis dahin aber schon verdorben. Vier Passagiere pro Tag trifft es besonders arg: Sie sehen ihr bestes Stück nicht wieder.

Täglich etwa 160 Passagiere reklamieren Kofferschäden. Das Tempo, mit dem das Gepäck von dem einen auf das andere Flugzeug verladen werden muss, lässt eine glimpfliche Behandlung nicht zu. Nachdem es aufgegeben wurde, begibt es sich auf Achterbahnfahrt: "Von allen Eingangspunkten gleiten die Wannen über 6000 Gurtbahnen, 6700 Rollbänder mit 2420 Kurven und 1000 Weichen mit einer Geschwindigkeit zwischen neun und 18 Stundenkilometern durch die Gepäckförderanlage", schreibt das Medienblatt Lufthansa-Report über den Großflughafen Frankfurt.

Kratzer sind nur Bagatellschäden. "Koffer sind schließlich Gebrauchsgegenstände", beruhigt Jörg Gabriel seine Kundschaft: Springen Rollen oder Griffe ab, reißt der Stoff, bricht eine Hartschale oder ein Schloss auf, dann vertritt der Inhaber des Berliner "Kofferhauses Witt" den Kunden gegenüber den Fluggesellschaften, begutachtet und repariert ramponiertes Gepäck.

Kopfschüttelnd erzählt er den Fall einer Familie, deren gesamtes Gepäck nach einem Flug hinüber war: "Zwei Reisetaschen und drei Koffer! Das muss man sich vorstellen. Kein anderer Fluggast hatte auch nur den geringsten Schaden!" An einen Zufall kann er kaum glauben. Schließlich mussten die Chinaimporte als Totalschaden abgeschrieben werden.

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