Welt : Florida-Urlaub: See you later, Alligator

Malin Ihlau

Urlauber in Florida müssen derzeit besonders aufpassen. Meldungen über Zwischenfälle mit Alligatoren machen erneut deutlich, wie gefährlich ein Ausflug in die Sümpfe sein kann. Überall sind Schilder aufgestellt, welche Gefahren drohen, wenn leichtsinnige Touristen sich zu forsch den Tieren nähern.

Es ist dort ausdrücklich verboten, Alligatoren zu füttern und zu streicheln. Welcher normale Mensch würde das wagen? Die meisten Begegnungen ereignen sich völlig spontan und unerwartet. So geschah es auch am 27. Juni dieses Jahres in Tampa, Florida, einer 43-jährigen Frau, die schwimmend in einem See von einem Alligator überrascht wurde und lebensgefährliche Verletzungen davontrug.

Sie war nicht das einzige Opfer. Andere mussten Schlimmeres erleben. Alligatoren lieben es, ihr Opfer lebend im Wasser zu drehen, bis es ertrunken ist. Dann wird die Leiche am Grund des Wassers befestigt, bis sie für den Verzehr mürbe genug ist.

Die Behörden haben zur Vorsicht in der Nähe von Seen und Kanälen aufgerufen. Experten erklärten, die lang anhaltende Trockenheit zwinge die Echsen zur Suche nach Wasserlöchern. Außerdem habe der Wohnungsbau und der Tourismus den Lebensraum der Alligatoren stark eingeengt und damit die Chancen auf ein Zusammentreffen von Mensch und Tier erhöht. Hinzu kommt, dass diese Spezies, auch "fürsorgliche Panzerechse" genannt, wegen unerfahrener Touristen, die ihren Müll liegen lassen, die urtümliche Scheu abgelegt hat und sich allmählich an die Ferienhäuser herantraut. Diese Form der Nahrungssuche kann zuweilen für den Menschen lebensgefährlich werden.

"In der Nähe des Wassers muss man vorsichtig sein und sich seine Umgebung genau anschauen", sagte ein Sprecher der Umweltbehörde, Jim Huffstodt. Am 23. Juni war ein zweijähriges Mädchen von einem fast zwei Meter langen Alligator getötet worden, als sie von der Terrasse ihres Elternhauses in Winter Haven zu einem nahe gelegenen See gelaufen war. Im Mai wurde die Leiche eines 70-Jährige in Venice gefunden; ein 2,4 Meter langer Alligator schwamm in der Nähe. Die "fürsorgliche Panzerechse" unterscheidet sich von den Krokodilen dahingehend, dass sie eine Unterart der Krokodile bildet, genauer gesagt gibt es zwei Gattungen, den Mississipi-Alligator, der im Süden der USA vorkommt und den China-Alligator. Die amerikanische Version ist viel grösser und dicker, nämlich maximal sechs Meter lang. Unter den Männchen besteht ein heftiges Interesse, ihre Reviere zu verteidigen, indem sie durch Brüllen und kräftiges, knallartiges Aufschlagen des Kopfes auf die Wasseroberfläche diese akustisch markieren. Durch dieses Imponiergehabe werden die Weibchen angelockt. Wer einem aufgeregten Männchen begegnet, ist in höchster Gefahr.

Ihre bevorzugte Beute sind grössere Nagetiere, auch das Haustier eines Florida-Urlaubers, das auf einer Ausflugstour in den Everglades durchaus abhanden kommen kann. So erging es kürzlich einer Deutschen aus Düsseldorf, die ihren Schoßhund bei sich hatte, auf einer der beliebtesten Florida-Attraktionen, der Glasbodenboot-Tour durch die Sumpflandschaften.

Ihr "Puschel" war angeleint, und als dann an einem Steg angelegt wurde, um die vielen Tierarten zu fotografieren, hatte die Deutsche wohl einen Moment nicht richtig aufgepasst: Plötzlich hatte sie nur noch eine abgerissene Hundeleine in der Hand. Ein Alligator hatte ihr süßes Hündchen verspeist.

Dagegen kann man nichts machen: Der "Alligator mississipiensis" wurde schon 1987 in Florida zum Staatsreptil gekrönt und ist vom Staat geschützt.

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