Forscher warnen : Planet im Sturm

Von Asien bis in die Karibik toben Taifune und Hurrikans – Klimatologen schlagen wieder Alarm.

Ein Ehepaar nach Hurrikan Ingrid in den Straßen von Acapulco. Foto: AFP
Ein Ehepaar nach Hurrikan Ingrid in den Straßen von Acapulco. Foto: AFPFoto: AFP

Tokio/Mexiko-Stadt/Lahore - Bei heftigen Wirbelstürmen und Überschwemmungen sind in Mexiko, den USA, in Japan und Pakistan zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Allein in Mexiko gab es nach Medienberichten durch Tropenstürme bisher 25 Todesopfer. Tausende suchten Schutz in Notunterkünften. In Japan hinterließ der Taifun „Man-yi“ eine Spur der Verwüstung und riss mindestens zwei Menschen in den Tod. Zwei weitere galten noch als vermisst, wie die Feuerwehr am Montag mitteilte. Auch Fukushima war betroffen.

Die Wirbelstürme in Japan und Mexiko hätten zwar nicht unmittelbar miteinander zu tun, sagt Andreas Friedrich, Tornadoexperte des Deutschen Wetterdienstes. „Es ist aber für die Zeit typisch, dass sich durch hohe Wassertemperaturen in diesen Regionen Wirbelstürme bilden.“

Klimaforscher haben am Montag erneut vor einem deutlichen Anstieg der Temperaturen in diesem Jahrhundert gewarnt (Kasten).

Der US-Bundesstaat Colorado kämpft weiter mit Überschwemmungen. Dort waren es heftige Regenfälle, die die Katastrophe auslösten. Fünf Menschen sollen bisher in den Fluten gestorben sein, hunderte gelten noch als vermisst. Gut 17 000 Bauten und 30 Brücken seien zerstört worden, teilten die Behörden mit. Da es in Teilen des Staates weiterhin regnete, blieben die Rettungsaktionen ein Wettlauf gegen die Zeit. Rund 600 Nationalgardisten und Angehörige der US-Armee helfen den örtlichen Rettungskräften mit mehr als 20 Hubschraubern. Präsident Obama hatte den Staat zum Katastrophengebiet erklärt.

In Japan brachten Regenfälle und Sturmböen Überschwemmungen in weiten Teilen des Landes. Häuser wurden beschädigt, Strommasten kippten um, Flüsse traten über die Ufer. Fast 400 000 Menschen in den Provinzen Kyoto, Shiga, Hyogo und Mie wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen.

In Fukushima leitete der AKW-Betreiber Tepco aufgestautes Regenwasser aus einem Becken mit Metalltanks für verseuchtes Kühlwasser ab, ohne zuvor die mögliche Belastung mit radioaktivem Cäsium gemessen zu haben, wie die Nachrichtenagentur Jiji Press meldete. Der 18. Taifun der Saison war am Montagmorgen in Zentraljapan auf Land getroffen und bewegte sich weiter in nordöstliche Richtung.

Mexiko wird gleich von zwei Wirbelstürmen in die Zange genommen. Im Westen des Landes war der Tropensturm „Manuel“ am Sonntagnachmittag nahe der Stadt Manzanillo im Bundesstaat Colima auf Land getroffen, wie der Nationale Wetterdienst mitteilte. Im Inneren des Sturms herrschten demnach Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer pro Stunde. In der Karibik zog der Hurrikan „Ingrid“ auf die mexikanische Ostküste zu. Wie das US-Hurrikanzentrum (NHC) mitteilte, sollte der Sturm voraussichtlich in der vergangenen Nacht auf Land treffen. Für den Küstenstreifen zwischen Cabo Rojo im Bundesstaat Veracruz und La Pesca in Tamaulipas sprachen die örtlichen Behörden eine Warnung aus.

Bereits vor dem Auftreffen auf Land brachte „Ingrid“ an der Ostküste Mexikos und im Zentrum des Landes heftige Regenfälle und Überschwemmungen. In mehreren Ortschaften wurden die Feierlichkeiten zum mexikanischen Unabhängigkeitstag abgesagt. Tsp/dpa

Klimaforscher haben vor einem Anstieg der Temperaturen um vier Grad noch in diesem Jahrhundert gewarnt. Die Folgen wären drastisch, schreiben die zwölf Experten des Netzwerks Earth League in einem am Montag veröffentlichten Aufruf. Der Meeresspiegel würde steigen, ganze Küstenstreifen und Inseln könnten verschwinden und einige Regionen unter extremen Hitzewellen und Ernteausfällen leiden. Von den fast 14 000 von Experten begutachteten Artikeln zu diesem Thema in den vergangenen 20 Jahren leugneten nur 24 den Klimawandel oder den Menschen als Verursacher der Temperaturerhöhungen, schrieben die Wissenschaftler. Sie berufen sich dabei auf eine Analyse des US-Geologen James Powell. Skeptiker weisen vor allem darauf hin, dass das Klima in der Geschichte natürlichen Schwankungen unterworfen war.

„Die Beweislage, dass unsere Zivilisation bereits eine signifikante Erderwärmung verursacht hat, ist überwältigend“, heißt es dagegen von Seiten der Klimaforscher. In zwei Wochen veröffentlicht der Weltklimarat IPCC den ersten Teil des 5. Weltklimareports. dpa

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