Welt : Fotografie und Film: "Moving Pictures" - Katalogbuch zur Ausstellung

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Wir stammen aus der Wirklichkeit, scheinen die Bilder von Ute Friederike Jürß zu sagen. Aber das ist auch schon die eindeutigste Information, die sich ihnen auf den ersten Blick entlocken lässt. Der Rahmen, in dem sie zurzeit zu sehen sind, eine Videoinstallation auf der fünften internationalen Esslinger Foto-Triennale (bis 23. September), macht sie gleich wieder zunichte: Traut uns nicht, scheinen sie nun zu sagen - der Eindruck von Authentizität ist ein reines Kunstprodukt. "You Never Know the Whole Story", als Tryptichon projiziert, ist inspiriert von Pressefotos aus der "New York Times" und zeigt die Künstlerin als namenlose Protagonistin der eigenen Bilder. Ob Fälschung, Inszenierung oder echtes Rätselmaterial, spielt dabei offenbar gar keine Rolle: Man steht den statisch anmutenden Düsternissen von Ute Friederike Jürß nicht weniger hilflos gegenüber als den unkommentierten Nachrichtenbildern aus Krisengebieten, die auf arte eine Weile liefen. Die ganze Geschichte kennt man eben nie, und jede Erklärung ist nur eine Hilfsmaßnahme, hin zu einer imaginären Vollständigkeit. Auch "You Never Know the Whole Story" besteht aus bewegten Bildern - nur dass man lange hinsehen muss, um das zu merken. Es sind durch einen Verfremdungseffekt unendlich träge gewordene Filme, aus denen heraus einen Ute Friederike Jürß manchmal unvermutet anblinzelt.

"Moving Pictures - Fotografie und Film in der zeitgenössischen Kunst" (Hatje Cantz, 48,90 DM) ist das Katalogbuch zur Ausstellung, das jedem der mehr als 30 Künstler, darunter Stars wie Doug Aitken und Cindy Sherman, einen eigenen, mal hellsichtigen, mal hoffnungslos verschwurbelten Essay widmet, der beweist, dass die Reflexion einer Gattung in einer anderen auch reichlich bemüht sein kann.

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