Freitod : Britische Selbstmord-Dokumentation läuft auf Premiere

In Großbritannien sorgte die Ausstrahlung der öffentliche Suizid eines 59-jährigen Informatik-Professors für massive Diskussionen. Nicht zuletzt wurde den Medien vorgeworfen Todes-Voyeurismus zu betreiben. Jetzt wird die umstrittene Dokumentation in Deutschland gezeigt.

Ewert
Craig Ewert wollte selbst entscheiden, wann er stirbt. Ein Fernsehteam begleitete ihn in den letzten Stunden. -Foto: dpa

HamburgDie britische TV-Dokumentation über die begleitete Selbsttötung eines Menschen wird in einer bearbeiteten Fassung auch in Deutschland gezeigt. Der Spartensender Focus Gesundheit, der auf der Pay-TV-Plattform von Premiere empfangbar ist, strahlt am 24. Januar um 22.10 Uhr den 50-minütigen Film "Selbstmord-Touristen" aus, wie der Focus Magazin Verlag am Donnerstag mitteilte. Die Deutsche Hospiz Stiftung protestierte gegen die Ausstrahlung. "Sterben und Leben gehört ins Fernsehen", sagte ihr Vorstand, Eugen Brysch. "Die Tötung aber nicht."

In der Sendung wird unter anderem der Freitod des 59-jährigen Informatik-Professors Craig Ewert dokumentiert, der an der unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit ALS litt. Ewert ließ sich bei seinem Tod von der umstrittenen Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas begleiten. "Bei dem Suizidhelfer aus der Schweiz handelt es sich um einen knallharten Geschäftemacher", kritisierte Brysch. Dies müsse auch ein "aufgewecktes Medium" wie Focus TV erkannt haben. Dem Sender Focus Gesundheit gehe es vor allem um Quote.

Gewarnt wird vor Nachahmungseffekten

Der Film ist bei Focus Gesundheit eingebettet in ein vorangestelltes und ein abschließendes Experteninterview mit Christof Müller-Busch, Mitglied der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Der Mediziner werde das Thema Sterbehilfe einordnen und den Film kommentieren, heißt es in der Mitteilung.

Nach der Ausstrahlung der Langfassung in Großbritannien am 10. Dezember hatten Ärzte und Hilfsorganisationen in Deutschland und Großbritannien die Medien zu einem Verzicht auf solche Beiträge aufgerufen. Dabei wurde vor Nachahmungseffekten gewarnt. Wenn dargestellt werde, dass Selbsttötung der vermeintlich leichtere Weg für Todkranke sei, werde das unverantwortliche Konsequenzen für labile Menschen haben, warnte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe.

Focus: Es geht nicht um Voyeurismus und Effekthascherei

Der für Focus Gesundheit verantwortliche Chefredakteur der Focus TV Produktions GmbH, Matthias Pfeffer, nannte die Aufregung nicht nachvollziehbar. "Wer die Dokumentation sieht, der stellt fest, dass von Voyeurismus oder Effekthascherei überhaupt keine Rede sein kann." Es handle sich um "eine höchst sensible Darstellung einer individuellen, existenziellen Entscheidung". Er hob die "sensible redaktionelle Einordnung für den Zuschauer" durch den Experten Müller-Busch und die Ausstrahlung erst im Spätprogramm hervor. Brysch rügte die "Naivität, die Focus TV dadurch vermittelt, es gehe nicht um Effekthascherei und Voyeurismus - das ist hanebüchen." Die Sendung dürfe nicht ausgestrahlt werden. (ah/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar