Welt : Fritzl unter Mordanklage

Den Inzest-Täter erwartet lebenslange Haft

St. Pölten - Josef Fritzl, der Inzest-Täter von Amstetten, muss möglicherweise lebenslang hinter Gitter. Wie die Staatsanwaltschaft im niederösterreichischen St. Pölten am Donnerstag bestätigte, ist die Anklage gegen den heute 73-Jährigen auf Mord ausgeweitet worden. Fritzl muss sich bei seinem Prozess, der vermutlich erst im nächsten Frühjahr stattfindet, außerdem wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung, schwe rer Nötigung, Sklaverei und Blutschande verantworten.

Das grausame Verbrechen, das der 73-Jährige weitgehend gestanden hat, war am 27. April dieses Jahres ans Licht gekommen. Fritzl hatte seine heute 42 Jahre alte Tochter Elisabeth 24 Jahre lang in einem Kellerverlies in seinem Haus in Am stetten wie eine Sklavin gehalten und sie dort unzählige Male vergewaltigt. Das Ergebnis dieser Gewalt waren sieben Kinder, von denen eines wenige Tage nach der Geburt starb. Die Staatsanwaltschaft begründet die Mordanklage jetzt mit dem Tod dieses Jungen. Nach der Anklageschrift hatte der Inzest-Täter 1996 das neugeborene Kind im Verlies indirekt getötet, indem er es „trotz des Erkennens der lebensbedrohlichen Situation des Säuglings vorsätzlich unterließ, die erforderliche Hilfe durch Dritte zu veranlassen“. Fritzl hatte zugegeben, das tote Kind anschließend in einem Holzofen verbrannt zu haben.

Die 27 Seiten umfassende Anklageschrift gegen Fritzl wurde am Donnerstag dem Gericht und der Verteidigung Fritzls übergeben. Darin fordern die Ankläger nach Angaben von Staatsanwalt Gerhard Sedlacek auch die Unterbringung Fritzls in einer „Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher“. Mit dem Prozess wird jetzt im Frühjahr 2009 gerechnet. Die Staatsanwaltschaft kommt in der Anklageschrift zu dem Schluss, dass der Täter seine Tochter sowie drei seiner Kinder „durch Einsperren in einem beengten, feuchten Kellerverlies seines Hauses ohne Fenster und somit ohne Tageslicht und direkte Frischluftzufuhr widerrechtlich gefangen“ hielt. Die drei anderen Kinder hatte Fritzl ans Tageslicht gebracht und sie angenommen. dpa

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