Welt : Fünf Suizide erschüttern France Télécom Wieder nehmen

Mitarbeiter sich das Leben

von

Berlin - Die Serie von Suiziden unter Angestellten des französischen Telekommunikationskonzerns France Télécom reißt nicht ab. In den vergangenen zwei Wochen sind fünf Mitarbeiter des Unternehmens aus dem Leben geschieden. Zwar berichtete die Zeitung „Le Parisien“ am Samstag, dass es noch unklar sei, ob sie wegen der Arbeitsbedingungen den Freitod gewählt hätten. Trotzdem alarmierte die Nachricht die französische Öffentlichkeit: Bereits 2008 und 2009 hatten zahlreiche Suizide unter France-Télécom-Mitarbeitern ein Schlaglicht auf die angespannte Arbeitssituation beim größten französischen Kommunikationsanbieter geworfen, der im Mutterland 100 000 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Unternehmensleitung bestätigte die neuen Suizidfälle. Ein Firmensprecher betonte, dass sich die betroffenen Mitarbeiter untereinander nicht gekannt hätten und auch in verschiedenen Regionen Frankreichs eingesetzt gewesen seien. Nach Gewerkschaftsangaben habe sich keiner der Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz das Leben genommen. Allerdings habe sich ein Kundenberater nach der Arbeit von einer Brücke gestürzt.

Mit den neuen Suizidfällen steigt die Zahl der Selbstmorde bei dem Unternehmen in diesem Jahr auf 23. Bereits in den beiden Vorjahren hatten sich über 30 Mitarbeiter das Leben genommen. In ihren Abschiedsbriefen hatten sie teilweise das schlechte Arbeitsklima als Grund für ihren Freitod angegeben. Zwar fanden Statistiker heraus, dass es unter Angehörigen anderer Berufsgruppen in Frankreich – etwa Polizisten und Lehrer – eine höhere Selbstmordrate gibt als bei France Télécom. Dennoch musste Konzernchef Didier Lombard im vergangenen Februar wegen der zahlreichen Suizide seinen Hut nehmen.

Zuvor war insbesondere das France-Télécom-Programm „Time to move“ in die Kritik geraten. Dem Programm zufolge mussten leitende Angestellte alle drei Jahre den Posten wechseln. Das Programm wurde vor einem Jahr ausgesetzt. Gewerkschafter kritisieren allerdings, dass in dem Konzern trotzdem auch weiterhin ein großer Druck auf leitenden Angestellten laste, Mobilität an den Tag zu legen. Albrecht Meier

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben