Welt : Gab es eine Warnung?

Rainer W. During

Zwei Berliner Tänzer und eine Wissenschaftler-Familie aus dem brandenburgischen Glienicke zählen zu den Opfern des Flugzeugabsturzes von Zürich. In den Trümmern des eine Stunde zuvor in Tegel gestarteten Avroliners starb am Samstagabend auch der Tänzer Joern Wiegand, der in der Schweiz gemeinsam mit der ebenfalls getöteten Sängerin Melanie Thornton auftreten sollte. Ums Leben kam auch der aus Ghana stammende Tänzer Chietosei Yaw. Ausgelöscht wurde die Familie des Charité-Oberarztes Bernd-Ulrich Meyer. Er war mit seiner ebenfalls in der Klinik beschäftigten Ehefrau Simone Röricht sowie den Söhnen Sintram und Merlin an Bord des Fluges LX 3597 auf dem Weg in den Urlaub gewesen.

Die Schweizer Behörden wollten sich am Dienstag nicht zu Berichten äußern, wonach es von einem anderen Piloten unmittelbar vor dem Unglück eine Wetter- und Sichtwarnung für Landepiste 28 gegeben haben soll. Die Fluggesellschaft Crossair dementierte Berichte, wonach dem Flugzeug das Benzin ausgegangen sein soll.

Die aus Berlin-Tegel kommende Maschine war am Samstagabend beim Landeanflug auf den Flughafen Zürich-Kloten abgestürzt. Dabei kamen 24 Insassen, darunter zehn Deutsche und fünf Schweizer, ums Leben. Weiterhin unklar ist bislang, warum das viel zu niedrig fliegende Flugzeug vom Kurs abkam und warum die Piloten die Landung nicht abbrachen und auf den Landeanflug auf einer anderen Piste bestanden.

Nach dem Absturz ist der Streit um den Staatsvertrag mit der Bundesrepublik über die Regelung des Luftverkehrs am Flughafen Zürich-Kloten neu entfacht. Wie berichtet, hatte die Unglücksmaschine die kompliziertere Landebahn 28 anfliegen müssen, weil die Hauptanflugstrecke über Deutschland seit dem 19. Oktober zwischen 22 und 6 Uhr gesperrt ist. Damit sollen die Schwarzwaldgemeinden vom Fluglärm entlastet werden.

Rund 400 Flugzeuge dröhnen täglich in 700 Metern Höhe über Hohentengen und Klettgau. Statt der vereinbarten 70 Prozent leiteten die Schweizer bisher 95 Prozent aller Anflüge über deutsches Gebiet. Nur in dieser Landerichtung haben die beiden Hauptbahnen des Kloten-Airports ein modernes Instrumentenlandesystem (ILS).

Das Landeverfahren sei weltweit verbreitet und berge keine besonderen Risiken, sagte der Präsident des Crossair-Pilotenverbandes, Thomas Häberli, dem Tagesspiegel. Laut Christian Frauenfelder von der Swissair-Gewerkschaft Aeropers ist der Anflug anspruchsvoller, gehört aber "zum Einmaleins der Piloten".

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