Gasexplosion : "Noch nicht messbarer Schaden"

Bei der verheerenden Gasexplosion im mittelfränkischen Lehrberg sind drei Frauen und zwei Männer ums Leben gekommen. 16 Menschen wurden bei der Detonation verletzt, drei davon schwer.

Lehrberg - Polizeiangaben zufolge befanden sich zwei der Schwerverletzten am Samstagnachmittag noch "in kritischem Zustand". Am Samstag wurden keine weiteren Verschütteten mehr unter den Häusertrümmern vermutet. Die noch bestehende Explosionsgefahr an der Unglücksstelle wurde im Laufe des Tages gebannt. Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) reiste nach Lehrberg, um den Bürgern sein Mitgefühl auszudrücken und sich bei den Helfern zu bedanken.

Bei den Todesopfern des Unglücks handelt es sich der Polizei zufolge um die 71 Jahre alte Senior-Chefin der von der Explosion völlig zerstörten Bäckerei, deren 42 Jahre alten Sohn, einen 34 Jahre alten Bäcker, eine 34 Jahre alte Verkäuferin und eine 17-jährige Auszubildende.

Bäckerei bis auf Grundmauern eingestürzt

Am Freitag war in Lehrberg ein Flüssiggastank hinter der Bäckerei in die Luft geflogen. Zuvor war die Feuerwehr noch wegen eines Lecks in dem Gastank alarmiert worden. Als die Rettungskräfte eintrafen, explodierte der Tank, in dem sich mehrere 1000 Liter Gas befanden. Das betroffene Haus mit der Bäckerei stürzte bis auf die Grundmauern ein. Auch ein dahinter liegender Scheunenkomplex wurde vollständig zerstört. Mehrere angrenzende Gebäude wurden erheblich beschädigt, Dächer abgedeckt, Wände eingedrückt und Fenster barsten.

Nach den Verschütteten wurde mit einer Rettungshundestaffel des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) gesucht. Ein Todesopfer wurde bereits kurz nach der Explosion gefunden. Zwei weitere Tote wurden am frühen Abend in den Trümmern einer eingestürzten Backstube entdeckt. In der Nacht wurden schließlich noch zwei Frauen tot aus den Trümmern der Bäckerei geborgen.

Gefahr weiterer Explosionen gebannt

Noch am Samstagvormittag hatte in Lehrberg wegen eines beschädigten Gastankwagens, der sich inmitten eingestürzter Trümmer befand, die Gefahr weiterer Explosionen bestanden. Der Tank konnte allerdings am Mittag geborgen werden und wurde mit einem Spezialfahrzeug abtransportiert.

Einem Polizeisprecher zufolge werden die Aufräumarbeiten in Lehrberg noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Unglücksursache sei nach wie vor unklar. Für die Klärung sei "mit mehreren Wochen" zu rechnen. Kurz vor der Explosion sei ein Monteur eines Gasunternehmens zu dem Gastank gefahren, um Wartungs- oder Reparaturarbeiten vorzunehmen. Es sei allerdings noch unklar, ob er zum Zeitpunkt der Detonation bereits mit den Arbeiten begonnen habe. Der Monteur war mit dem Gastankwagen vorgefahren, der erst am Samstag geborgen werden konnte.

Ministerpräsident Stoiber sagte bei seinem Besuch in Lehrberg: "Es ist erschreckend zu sehen, wie schnell so ein Unglück Leid über Familien bringen kann." Es sei "ein noch nicht messbarer Schaden" entstanden. Stoiber betonte, sein Mitgefühl gelte zuallererst den Angehörigen der Toten und Verletzten. Den Rettungskräften dankte er für ihren "großartigen Einsatz". Wenn eine Schadensbilanz erstellt sei, werde man sich im Kabinett darüber austauschen, wie den Menschen vor Ort geholfen werden könne, kündigte Stoiber an. (Von Antje Pöhner, ddp)

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