Gefahr durch Asteroiden : Wenn der Einschlag zum Ernstfall wird

Nur ein Hollywood-Szenario? Oder wie groß ist die Gefahr eines Asteroiden-Einschlags auf der Erde wirklich? Und wie kann die Gefahr frühzeitig erkannt werden? Darüber haben internationale Experten drei Tage lang diskutiert.

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Asteroiden sind meist felsige Brocken mit einem Durchmesser von wenigen Metern bis rund 1000 Kilometer, die überall im Sonnensystem vorkommen, hauptsächlich aber zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter. Die Raumsonde Rosetta flog am 10. Juli in sehr nah an den Asteroiden Lutetia heran.Alle Bilder anzeigen
Foto: ESA
29.10.2010 14:19Asteroiden sind meist felsige Brocken mit einem Durchmesser von wenigen Metern bis rund 1000 Kilometer, die überall im...

Zuerst wird es hell. So als flöge eine zweite Sonne über den Horizont, die schließlich zu Boden geht. Die Luft ist kochend heiß. Zunächst bebt die Erde, denn die Schockwellen des Einschlags sind im Untergrund schneller unterwegs als in der Luft. Wenn diese eintreffen, ist es endgültig vorbei: Sie sind eine Mischung aus infernalischem Gebrüll, Orkanstürmen und gewaltiger Hitze. Bäume, Häuser, Menschen werden bestenfalls umgeworfen, in größerer Nähe eher verdampft.

Immer wieder schlagen Asteroiden auf der Erde ein. Aber die Ereignisse sind selten. Das gilt besonders für verheerende Treffer, die durch große Brocken mit mehreren 100 Metern Durchmesser ausgelöst werden. Sie treten im Schnitt alle 200 bis 300 Jahre auf. Anders gesagt: Es ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder ein großer Asteroid auf die Erde zurast.

Wie die Gefahr frühzeitig erkannt werden kann und was dann zu tun sei, darüber diskutierten jetzt internationale Experten im Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt.

Bisher sind rund 820 erdnahe Asteroiden entdeckt worden, die einen Kilometer oder größer sind. Rechnet man noch die eisigen Kometen hinzu, die uns ebenfalls in die Quere kommen können, ergeben sich 1150 Objekte, die derzeit als „potenziell gefährlich“ eingestuft sind. Einer davon ist „Apophis“, der 2029 der Erde auf rund 30.000 Kilometer nahe kommen wird. Eine Kollision wird es wahrscheinlich nicht geben, aber keiner weiß genau, wie sich seine Flugbahn durch die Erdanziehungskraft verändern wird. Und schon sieben Jahre später kommt Apophis wieder vorbei, warnte Nicolas Bobrinsky, der bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa ein Programm zu Gefahren aus dem All leitet. „Was das Aufspüren und Verfolgen von Asteroiden betrifft, sind wir heute viel weiter als noch vor wenigen Jahren“, sagte er. Nun sei es an der Zeit, die Fähigkeiten international zu bündeln, um drohende Kollisionen zu erkennen – und gemeinsam zu reagieren.

Die Esa unterhält dazu unter anderem in Italien ein Institut, das mithilfe von Computern die Flugbahnen der kosmischen Geschosse simuliert. Sollte sich einer der Brocken verdächtig nähern, werden die Daten an Nasa-Kollegen gegeben, die ein ähnliches System betreiben. Wenn dieser zweite Check ebenfalls Alarm gibt, geht die Hektik auf internationaler Ebene los. Wer beurteilt wie große die Gefahr wirklich ist? Wer entscheidet, ob tatsächlich eine „Rettungsmission“ gestartet wird? Und wie soll die aussehen? Zwar beschäftigt sich eine Untergruppe der Vereinten Nationen seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema, aber noch gibt es keinen „Fahrplan für den Ernstfall“, wie die Tagungsteilnehmer übereinstimmend sagten.

Fakt ist: „Man kann die Erde nicht einfach beiseite schieben“, sagte Rusty Schweickart, Apollo-9-Astronaut und Experte für „erdnahe Objekte“. Prinzipiell kämen zwei Verfahren infrage. Erstens die Hau-Drauf-Methode, mit der man den Asteroiden durch einen gezielten Beschuss von seiner Kollisionsroute abbringen will. „Dazu müssen Aufprallgeschwindigkeit, Richtung und Zeit perfekt stimmen“, sagte Schweickart. Das Verfahren sei aber unpräzise. Und gerade bei großen, vielleicht sogar porösen Brocken bezweifeln manche Fachleute, ob dieser Ansatz überhaupt einen Effekt hat.

Die zweite Methode ist etwas eleganter und funktioniert wie ein „gravitatives Abschleppseil“. Ein unbemanntes Raumschiff wird gestartet, das möglichst lange in der Nähe des Asteroiden fliegt, ohne einzuschlagen. Die Anziehungskraft der Kapsel würde auf den Asteroiden wirken. Mit der Zeit könnte er so von seinem Kurs abgebracht werden. Für diese Idee gibt es erste Untersuchungen auf der Erde, vom Praxistest im Kosmos ist man noch weit entfernt.

Was geschieht, wenn diese Techniken nicht funktionieren, zeigt ein Blick in die Erdgeschichte. Der wohl bekannte Asteroidentreffer auf der Erde trug maßgeblich zum Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren bei. Ein schätzungsweise zehn Kilometer Brocken hinterließ den Chicxulub-Krater vor der mexikanischen Halbinsel Yucatan. Auch das Nördlinger Ries wurde von einem Asteroid geschaffen. Vor 14,6 Millionen Jahren ging dort ein etwa 1,5 Kilometer großer Brocken nieder. Die Explosionstrümmer wurden bis zu 500 Kilometer weit geschleudert. Auch der „Feuerball“ von Tunguska“ gehört in diese Gefahrenklasse. So wird die Explosion eines 60 Meter großen kosmischen Brockens über der sibirischen Taiga im Jahr 1908 bezeichnet. Vermutlich hatte sich das Geschoss beim Eintritt in die Atmosphäre so stark erhitzt, dass es vor dem Einschlag zerfetzte. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn er die Erde nur kurze Zeit früher oder später erreicht hätte. Dann wäre er im möglicherweise im Großraum um New York, London oder Berlin niedergegangen.

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