Gegen Bohrtürme vor den Stränden : Mallorca will nur Sonnenöl

Auf den Balearen formiert sich eine Protestbewegung gegen Ölsuche vor ihrer Küste - die Bevölkerung der Inselgruppe hat Angst um den Tourismus.

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Demonstration gegen die Fördertürme im Meer am Samstag in Palma de Mallorca
Demonstration gegen die Fördertürme im Meer am Samstag in Palma de MallorcaFoto: AFP

Die spanischen Urlaubsinseln im Mittelmeer wollen keine Bohrtürme vor ihren Stränden haben. Rund 20 000 Menschen protestierten in den Ferienparadiesen Mallorca und Ibiza gegen die Pläne der Rohstoffindustrie, demnächst vor den Inseln mit der Ölsuche zu beginnen. In einer breiten Protestfront schlossen sich Umweltschützer, Inselregierungen, Hoteliers und Fischer der Balearischen Inseln, deren größtes Eiland Mallorca ist, in der „Allianz blaues Meer“ („Alianza Mar Blava“) zusammen. Die Ölpläne seien „ein Attentat gegen die Umwelt“ und könnten „irreparable Schäden“ provozieren, sagte ein Sprecher der Protestplattform.

Die Balearen sind mit mehr als elf Millionen ausländischen Touristen im Jahr eines der populärsten Reiseziele Europas. Allein vier Millionen Touristen kommen jährlich aus Deutschland. „Die Balearen sagen Nein“, stand auf den Schildern der Demonstranten in Palma de Mallorca und auf der Nachbarinsel Ibiza. Oder: „Das Mittelmeer wird nicht verkauft“. Auch eine Wende in Spaniens Energie- und Umweltpolitik wurde gefordert: „Wir wollen nicht mehr Öl, sondern Sonne und Wind.“

Sogar der konservative Ministerpräsident der Balearischen Inseln, José Ramón Bauzá, hatte sich in den Protestzug auf Ibiza eingereiht. Obwohl seine Parteifreunde in Spaniens konservativer Zentralregierung die Ölsuche unterstützen, wechselte er auf die Seite der Gegner: „Wir brauchen keine Ölsuche. Denn wir haben schon den größten Reichtum, den es gibt – den Tourismus.“ Einer der wichtigsten Tourismusunternehmer Spaniens, die Hotelketten-Chef Simón Pedro Barceló, forderte ebenfalls, die Ölpläne zu stoppen: „Alles, was die Entwicklung unserer touristischen Aktivitäten gefährdet, kann tödliche Auswirkungen haben.“

Rund 100 000 Widersprüche sind beim spanischen Umweltministerium bisher eingegangen. Nun muss Spaniens konservativer Umweltminister Miguel Arias Cañete entscheiden, ob er die Bedenken der Projektgegner teilt. Doch die Regierung von Ministerpräsident Marian Rajoy ließ bereits durchblicken, dass sie geneigt ist, der Ölindustrie grünes Licht zu erteilen. Der schottische Rohstoffkonzern Cairn Energy und weitere Bohrunternehmen haben beantragt, 30 bis 60 Kilometer vor den Küsten der balearischen Inseln nach Ölfeldern suchen zu dürfen. Zur Erkundung soll von Schiffen aus der Boden mit Schallwellen beschossen werden. Schon dieses massive und mehrmonatige Druckluft-Trommelfeuer hat nach Einschätzung der Umweltschützern „verheerende Auswirkungen“ auf das Meeresgebiet, in dem Delfine, Wale und Schildkröten zu Hause sind.

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