Welt : Gegen den Sturm

Bill Clinton weiht die ersten Anlagen zu Schutz und Warnung vor Tsunamis ein

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Phuket - Der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton hat am Samstag in Thailand ein weltweites Programm zur Aufforstung von Mangroven gestartet. Mit dem Projekt sollen die natürlichen Barrieren gegen Flutwellen in den sechs Ländern gestärkt werden, die von dem verheerenden Tsunami am 26. Dezember 2004 besonders betroffen waren: Indien, Indonesien, die Malediven, die Seychellen, Sri Lanka und Thailand. „Dieser Baum ist ein Symbol für die natürliche Lebensweise der Menschen hier“, sagte Clinton, nachdem er in dem Dorf Hin Look Dieu auf der Ferieninsel Phuket eine Mangrove gepflanzt hatte.

Die Familien in dem Dorf, sogenannte Seenomaden, leben vom Fischen. Die meisten hatten bei der Flutwelle ihre Boote verloren. Mit internationaler und eigener Hilfe konnten sie ihre Lebensgrundlage inzwischen wieder aufbauen. Die Dorfgemeinschaft sei durch das Unglück sehr zusammengerückt, berichten Einwohner. Jetzt verhandeln sie mit der Regierung über Landrechte.

In Phuket und entlang der Küste Richtung Norden waren bei dem Tsunami nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 8000 Menschen ums Leben gekommen. Die Strukturschäden allein in Thailand wurden umgerechnet auf mehr als 300 Millionen Euro geschätzt. Insgesamt waren bei dem Tsunami mehr als 230 000 Menschen gestorben.

Clinton zog eine Parallele zum Hurrikan „Katrina“, der im vergangenen Jahr New Orleans verwüstet hatte: Wenn die Sümpfe und Wälder südlich der Metropole in den vergangenen 30 Jahren erhalten geblieben wären, hätte der Hurrikan nur halb so viele Schäden angerichtet.

Am Sonntag sollte im Indischen Ozean auf halbem Weg zwischen Thailand und Sri Lanka die erste von gut 20 geplanten Warnbojen verankert werden, die innerhalb weniger Minuten Daten über gefährlich hohen Wasserdruck per Satellit aussenden kann. Aufgrund der Messdaten kann bis zu eine Stunde vor dem Eintreffen einer Flutwelle an den Küsten Alarm ausgelöst werden. An dem neuen Tsunamiwarnsystem für den Indischen Ozean ist auch Deutschland maßgeblich beteiligt und will zehn Bojen finanzieren. Zwei davon wurden bereits vor einem Jahr vor Indonesien versuchsweise ausgesetzt. Allerdings gab es Probleme mit der Verbindung zwischen Boje und Bodenelement. Die beiden Bojen wurden nachgerüstet und sollen in der kommenden Woche erneut zu Wasser gelassen werden.

Die US-Boje kostet 450 000 Dollar, die Wartungskosten schätzt der Chef der Katastrophenbehörde Thailands, Smith Dharmasaroja, auf umgerechnet 2,1 Millionen Euro für zwei Jahre. „Langfristig muss die internationale Gemeinschaft etwas dazutun“, sagte er auf Phuket. „Das kann nicht allein die Verantwortung Thailands sein.“ Das Bojensystem entlang der gefährdeten Region um Indonesien soll bis Ende 2008 komplett sein.

Bill Clinton war von dem UN-Generalsekretär Kofi Annan, dessen Mandat in diesem Monat endet, zum Sonderbeauftragten für die Tsunamihilfe berufen worden. Clinton sagte in Phuket, dass er den Vereinten Nationen auch künftig zur Verfügung stehen wolle: „Wenn der neue Generalsekretär mich bittet, für ein anderes Projekt da zu sein, mache ich das auch.“

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