Gesundheit : 100 Jahre Medizin-Nobelpreis

Rosemarie Stein

Die ersten Nobelpreise wurden 1901 verliehen. Der Chemiker und Unternehmer Alfred Nobel hatte sein Vermögen mit der Erfindung und Produktion des Dynamits gemacht. Dessen Wirkung hielt er für abschreckend genug, um Kriege künftig zu verhindern. Dennoch stiftete er vorsichtshalber einen Friedenspreis, neben Preisen für Physik, Chemie und Medizin. 1968 kam noch ein Ökonomie-Preis hinzu.

Der erste Nobelpreis für Medizin ging 1901 an den Infektionsforscher Emil von Behring: für seine Serumtherapie und ihre erfolgreiche Anwendung gegen die Diphtherie, der bis dahin in Deutschland jährlich etwa fünfzigtausend Kinder zum Opfer fielen. Das Gedenken an den "Retter der Kinder" - und im 1. Weltkrieg den "Retter der Soldaten" - durch Tetanus-Impfung führte jetzt das Robert-Koch-Institut, die Marburger Impfstoff-Firma Aventis Behring und die Charité auf deren Campus Virchow zur Hundert-Jahr-Feier zusammen. Fünf Nobelpreisträger sprachen über ihre Forschungen, vier davon kamen aus den USA.

Seit der Nazi-Zeit habe sich die 29köpfige Nobelpreisträger-Galerie in der Humboldt-Universität um kein Bild vermehrt, stellte der Präsident der Humboldt-Universität, Jürgen Mlynek, fest. "Wie schafft man ein Umfeld für Nobelpreise?" Darauf habe ihm einmal ein amerikanischer Kollege geantwortet: 1. Wissenschaft ist elitär - man muss die Leistungsfähigsten auswählen und fördern. 2. Exzellente Wissenschaftler berufen erstklassige Leute. 3. Die Jungen sollen nicht für die Alten arbeiten. Diesen drei Prinzipien folge jetzt auch die Humboldt-Uni. Sie will zum Beispiel für 30 ausgeschriebene Junior-Professuren die besten Nachwuchskräfte weltweit rekrutieren.

Zwischen bewegten Trickbildern des Mikrokosmos "Zelle" zeigte Günter Blobel (New York) die Dresdener Frauenkirche. Für deren Rekonstruktion stiftete er, der das Dresdener Inferno miterlebte, den größten Teil seines Preis-Geldes. Die Architektur erinnere ihn in ihrer Komplexität an die der Zelle, die überdies ein höchst bewegtes Innenleben hat: Eine Milliarde Eiweißmoleküle werden in ihr ständig abgebaut und neu gebildet. Sie müssen genau an den richtigen Platz gelangen. Die Entdeckung der logistischen Signale dafür brachte Blobel 1999 den Nobelpreis. Noch immer wisse man sehr wenig über den Transport der Proteine. Aber wenn sie an der falschen Stelle landeten, könnten Krankheiten entstehen.

Wie sich die Immunantwort beispielsweise auf das Influenza A-Virus oder auf HIV verstärken lässt, beschäftigt Peter Doherty (Memphis). Und Joshua Lederberg (New York) untersucht, wie unsere Mikroorganismen die Symbiose mit uns überleben - und umgekehrt. Er begrüßt den Aufwind für die lange vernachlässigte Infektionsmedizin und gibt der Influenzaforschung Priorität.

Weil die Verfechter der Viren-Hypothese trotz langer Suche keine Viren als Erreger der Hirnschwamm-Krankheiten fanden, erhielt der Entdecker der Prionen, Stanley B. Prusinger (San Francisco), 1997 den Medizin-Nobelpreis. An wirksame Mittel gegen BSE oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ist nach seiner Einschätzung derzeit noch nicht zu denken.

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