Gesundheit : Absturz eines Nationalhelden

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Sein Gesicht ist aus den Auslagen der Buchläden verschwunden. In Seouls Restaurants diskutieren die Südkoreaner beim Abendessen über ihn, meist mit gedämpfter Stimme: Hwang Woo-Suk. Während Experten und Klonwissenschaftler noch untersuchen, wie viele seiner international gefeierten Klonexperimente der einstige Starwissenschaftler gefälscht hat, machen sich Südkoreaner Sorgen über das Ansehen ihres Landes in der Welt. Korea habe ein „Image-Problem“, urteilte die Zeitung „Korea Times“.

Mit Millionenbeträgen hatte Seouls Regierung Hwang unterstützt. Südkorea widmete dem ehemaligen Tiermediziner eine eigene Briefmarke , verlieh ihm den Titel „herausragender koreanischer Wissenschaftler“ und stilisierte ihn zum Nationalhelden. Präsident Roh Moo- Hyun persönlich hatte Hwang zum Essen ausgeführt. Mit Hilfe von Hwangs vermeintlichen Forschungserfolgen wollte die Regierung Südkorea zu einem Zentrum der internationalen Stammzellforschung zu machen.

Stattdessen hängt nach dem Fälschungsskandal nun über der gesamten südkoreanischen Wissenschaft ein Schatten. Die Opposition kündigte an, eine Untersuchung in die Rolle der Regierung bei der Bildung des „Hwang-Woo-SukMythos“ einzuleiten.

Hwang, der mindestens 65 Millionen Dollar an öffentlichen Forschungsgeldern erhielt, wusste stets seine Beziehungen zur Regierung zu pflegen. Eine der Koautoren seiner 2004 veröffentlichten Arbeit über menschliches Klonen war Park Ky-Young, die wissenschaftliche Beraterin von Präsident Roh. Park hatte wissenschaftlich offenbar nichts zu den Forschungen beigetragen. Für Hwang ging es vor allem darum, Beziehungen aufzubauen.

Geschickt spielte er dabei auch mit dem Nationalstolz der Koreaner. Er werde die „koreanische Flagge auf der Spitze des Berges der weltweiten Biotechnologie hissen“. Einem zehnjährigen Jungen, wegen eines Autounfalls im Rollstuhl , erklärte Hwang: „Du wirst wieder laufen, ich verspreche es.“

Vergangenes Wochenende versammelten sich noch einmal 500 Anhänger mit Kerzen in der Innenstadt, um den gefallenen Hwang zu unterstützen. Nun aber schlägt der Unglaube um in Ärger.

Harald Maass, Peking

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