Gesundheit : Alle Bachelors sollen Master werden

„Streikende“ an der FU stellen Forderungen auf

Florian Urschel

„Streikende“ an der FU stellen Forderungen auf Etwa 700 der 35 500 Studierenden der Freien Universität haben sich gestern zu einer Vollversammlung zusammengefunden, um ihre Forderungen zu beschließen. Die Veranstaltung startete mit einem Rückblick auf den seit Montag andauernden „Warnstreik“. Unter dem Jubel der Studierenden wurde ein Film von der Besetzung des Präsidialamtes der Uni am Dienstag vorgeführt, der mit aufpeitschender Musik unterlegt war. 300 Studierende hätten sich dort versammelt, 30 Besetzern sei es gelungen, ins Haus einzudringen, und drei Forderungen seien erfüllt worden, lautete die Bilanz der Filmemacher, gefolgt von der Frage: „Was können erst 3000 bewirken?“ – worauf im Hörsaal Applaus aufbrandete.

Zur Zeit seien das Otto-Suhr-Institut und das Institut für Ethnologie besetzt, gaben die Aktivisten bekannt. Vom Berliner Senat verlangen die Studierenden, dass er den Übergang aller Bachelorstudierenden zum Masterstudium zusichern soll. Außerdem soll er sich verpflichten, niemals Studiengebühren einzuführen, bei der Bildung keine Mittel zu kürzen und den Studierenden mehr Mitbestimmungsrechte in den Gremien zu geben.

Die Unileitung soll die alten Studiengänge mit den Abschlüssen Magister, Diplom und Staatsexamen erhalten – auch diese Forderung wurde laut bejubelt. Der interne Numerus clausus soll abgeschafft werden, ebenso wie die Computer-Software zur Verwaltung der neuen Studiengänge. Wegfallen sollen auch Strafpunkte für ein zu langes Studium und Anwesenheitslisten. Alle Veranstaltungen sollen für alle Studierende offen sein, die „Kommerzialisierung“ der Uni solle gestoppt werden. So solle etwa keine kommerzielle Werbung in den Räumen zu sehen sein. Am heutigen Freitag wollen die Studierenden das Präsidialamt besuchen und die Forderungen übergeben. Mit großem Jubel unterstützten die Studierenden eine Geldsammlung in ihren Reihen für einen Kommilitonen, der nach einem Tortenwurf auf den einstigen Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz Peter Gaehtgens Strafe zahlen muss.

Auch die Germanistik-Studenten haben am Donnerstag eine Versammlung abgehalten. Dabei verlasen sie einen Brief an Peter Sprengel, den geschäftsführenden Direktor ihres Instituts. Ihr Bachelor-Studium sei „an zahlreichen Stellen realitätsfern, undurchdacht und mitunter sogar widersprüchlich“. Sie forderten, weniger Prüfungen ablegen zu müssen und längere Fristen für Hausarbeiten. Außerdem sollten die Professoren häufiger Sprechstunden abhalten. Weiterhin beklagten sich die Studierenden darüber, bisher noch keine Leistungsnachweise erhalten zu haben. Sie ließen sich nicht über die Verwaltungssoftware ausdrucken. Sprengel war von einigen Problemen „völlig überrascht“, sagten Studenten nach der Versammlung. Er habe einen monatlichen runden Tisch vorgeschlagen.

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