Gesundheit : Allergien: Wir sind zu sauber und riechen zu gut

Alexander Florin

Lidstrich hier, Lippenstift da, Creme auf die Hände, Deo unter die Achseln. Morgens das Duschbad, abends Spülmittel: "Wir sind ein gut aussehendes, wohlriechendes Volk", sagte Wolfram Sterry, der Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, am Mittwoch im Universitätsklinikum Charité in Berlin. Wohl dem, der nicht allergisch auf die vielen Mittelchen, mit denen wir uns täglich behandeln, reagiert. Nach einer Umfrage in Jena haben 36 Prozent schon einmal Unverträglichkeiten mit Kosmetika bei sich festgestellt. "Es wird nicht zu wenig gepflegt, sondern zu viel oder falsch", meinte Peter Elsner von der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.

Denn Kosmetik hat auch ihre Schattenseiten. Duftstoffe beispielsweise sind für die meisten Allergien auf Kosmetika verantwortlich. Doch egal um welchen der weit über 5000 Duftstoffe es sich handelt - auf der Verpackung steht als Inhaltsstoff stets "Parfüm" oder ähnlich Unverbindliches. Der Markt für die Selbstverschönerung wächst, doch nicht alles bewirkt das Versprochene. Daher rät Sterry, den Hautarzt zu konsultieren und Laserbehandlungen, Piercings, Diagnosen stets dort machen zu lassen. Sterile Umgebung und richtige Anwendung der Geräte sind da gewährleistet. Wie viele Hautschäden sind schon durch die zu hohe Dosis eines Lasers oder irgendeines Mittelchens entstanden! Die Grenzen zwischen Arznei und Kosmetik verschwimmen zusehens.

Nicht einfacher hat es ein Nahrungsmittelallergiker. Bei der Erdnussallergie sind schon geringe Mengen enorm gefährlich. Die Bezeichnung "Müsli" kann Erdnüsse beinhalten, ohne sie direkt aufzuführen - Grund ist die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung, die erlaubt, zusammengesetzte Zutaten, die weniger als 25 Prozent des Endproduktes ausmachen, unter einem Begriff aufzuführen. Wie eben "Müsli" bei einem Müsli-Joghurt. Dass viele Zutaten auch nach der Verarbeitung für Allergiker gefährlich sein können, erschwert die Sache.

Damit Allergiker wissen, was für sie wirklich unbedenklich ist, fordert die Deutsche Dermatologische Gesellschaft eine erweiterte Kennzeichnungspflicht; für Kosmetikartikel befindet sie sich bereits in der Umsetzung als EU-Richtlinie. Danach sollen alle Inhaltsstoffe, die potenziell Allergien auslösen können, auf der Verpackung aufgelistet sein. Denn die beste Strategie ist es, Allergieauslöser zu meiden, wie Thomas Werfel von der Medizinischen Hochschule Hannover den Betroffenen rät. Dazu muss man wissen, was die Produkte enthalten. Nach Untersuchungen ist bei jeder zweiten Allergie die Haut betroffen. Juckreiz, Flecken wie von Brennnesseln, Anschwellen der Schleimhäute sind häufige Symptome.

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