Gesundheit : Alles Geld den Unis

Hochschulexperten wollen Mittel für außeruniversitäre Institute und Ressortforschung neu verteilen

Amory Burchard

„Wenn man wirklich Spitzenuniversitäten will, gehört die Spitzenforschung an die Hochschulen“, sagt der Hochschulexperte Hans Weiler. Weil die Spitzenforschung in Deutschland aber an den außeruniversitären Instituten konzentriert ist, solle sie mittel- bis langfristig in die Universitäten integriert werden, fordern Weiler und acht weitere Wissenschaftsmanager, darunter Peter Hommelhoff, Rektor der Uni Heidelberg, und Detlef Müller-Böling, Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Diese Kommission unter dem Dach der Volkswagen-Stiftung hat jetzt in Berlin „Eckpunkte eines zukunftsfähigen deutschen Wissenschaftssystems“ vorgestellt. Sie sei auf Anregung von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn zusammengetreten, sagte Generalsekretär Wilhelm Krull.

Die Vorschläge zur außeruniversitären Forschung sind brisant. So beklagen die Experten, dass der große Anteil der Mittel, den die Einrichtungen bekommen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen „verschlechtere“. Diejenigen Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft oder der Leibniz-Institute, die in Hochschulen integriert werden, solle der Bund auch weiterhin fördern. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) bezeichnet diese Vorschläge als „nicht akzeptabel“. Gerade die MPG trage viel dazu bei, dass die deutsche Forschung international wettbewerbsfähig und sichtbar sei, erklärte Präsident Peter Gruss. Auch sei der Etat der Gesellschaft nicht größer als der zweier großer Unis zusammen. Insofern sei es illusionär, zu glauben, dass sich die Qualität der deutschen Forschung insgesamt verbessern ließe, wenn man den MPG-Etat in die Hochschulen leiten würde.

Die Experten wollen auch die Ressortforschungseinrichtungen der Bundesministerien „auf die Hochschulen übertragen oder sie institutionell mit den Hochschulen verknüpfen“. Damit könnten „erhebliche Mittel“ für die Hochschulforschung frei werden.

Mit dem Integrations-Szenario sei ein Paradigmenwechsel verbunden, sagt Krull. Statt der klassischen Drittmittelförderung, die die Hochschulen mit zusätzlichen Kosten für Infrastrukturen belaste, brauche die Forschung grundsätzlich eine Vollkostenfinanzierung nach US-Vorbild. Dies müsse in einem Forschungsförderungsgesetz geregelt werden und solle nicht nur für die 1,9 Milliarden Euro aus dem Exzellenzwettbewerb gelten.

Neben Graduiertenschulen und Exzellenzzentren in der Forschung sollten Bund und Länder als „dritte Säule“ auch „forschungszentrierte Zukunftskonzepte“ einzelner Hochschulen fördern, um ihre leistungsfähigsten, international herausragenden Bereiche weiter zu stärken. Ein solches Konzept sei ein Mittelweg zwischen einer strukturellen Förderung, die Bundesforschungsministerin Bulmahn will, und einer Projektförderung, die Hessens Ministerpräsident Koch fordert, sagte Wilhelm Krull. Allerdings hat Bulmahn am Freitag noch einmal betont, sie wolle daran festhalten, in der dritten Säule „Gesamtstrategien der Spitzenforschung“ zu fördern. Die zusätzlichen Mittel sollten unter anderem für Berufungen international renommierter Professoren eingesetzt werden, hatte Bulmahn kürzlich erklärt. Koch dagegen beharrte in der vergangenen Woche im hessischen Landtag auf seinem Standpunkt: „Was wir prämieren müssen, ist Exzellenz von Wissenschaftlern in Fachbereichen.“ Nicht gefördert werden sollten „Organisationsstrukturen von Hochschulen“. Koch warnte auch davor, das amerikanische Vorbild auf die deutsche Hochschullandschaft zu übertragen.

Genau dazu aber rät die Expertenkommission. So sollen besonders erfolgreiche Forscher unter den Professoren weitgehend von der Lehre befreit werden, während andere, die in der Lehre engagiert sind, mehr unterrichten. Der Beamtenstatus könnte durch Privat-Dienstverträge ersetzt werden. Dies alles könne mit Wissenschaftstarifvertrag geregelt werden, der den Hochschulen die dafür erforderliche Freiheit gibt. Die deutsche Hochschullandschaft wird sich differenzieren, sagen die Experten voraus. Es werde Forschungsuniversitäten geben, die international konkurrieren, und regionale „Teaching-Universities“, die stärker praxisorientiert arbeiten.

Die Vorschläge im Internet:

www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse05/29042005c.pdf

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