Gesundheit : Amputationen können in vielen Fällen verhindert werden

Mit einem neuen, äußerst aufwendigen Verfahren können in Zukunft Amputationen bei Weichteil-Krebs an Armen oder Beinen in vielen Fällen verhindert werden. Dabei werde das vom Tumor betroffene Glied für einige Stunden vom Blutkreislauf abgekoppelt und mit Hochdosismedikamenten behandelt, teilte am Montag in Berlin Professor Peter Schlag, Direktor der Klinik für Chirurgie der Robert-Rössle-Krebs-Klinik, mit.

Bösartige Weichgewebstumore treten häufig im Bereich der Arme oder Beine in Muskeln, Sehnen, Nerven, Binde- und Fettgewebe auf. Ziel der neuen Behandlung sei es, vor der chirurgischen Behandlung den Tumor mit Medikamenten zu verkleinern oder zu zerstören. "Je kleiner und weniger ausgedehnt ein Tumor ist, desto weniger muss man schneiden und desto eher können Amputationen vermieden werden", erläuterte Schlag.

Zum Verkleinern des Tumors werde Tumornekrosefaktor-alpha, ein gentechnisch hergestellter Botenstoff des Immunsystems, zusammen mit Zellgiften (Zystostatika) eingesetzt. Um besser zu wirken, werde eine 10- bis 20-fache Dosis gewählt, sagte Schlag. Da diese hohe Dosis den übrigen Körper stark schädigt, werden die Blutgefäße der von dem Tumor befallenen Gliedmaßen vorübergehend vom Körperkreislauf getrennt und an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Die Wirkung der Medikamente werde durch die gleichzeitige Überwärmung (Hyperthermie) des Tumors auf 41 bis 42 Grad Celsius noch einmal verstärkt.

Bei etwa 57 Prozent der Patienten mit Weichgewebssarkom führe diese Behandlung zu einer teilweisen und bei 25 Prozent zu einer kompletten Rückbildung des Tumors. Diese Therapie habe sich auch beim Schwarzen Hautkrebs (Melanom) ähnlich wirksam erwiesen. Damit könne gerade Patienten mit Weichteilkrebs im fortgeschrittenen Stadium in den meisten Fällen eine Amputation der Gliedmaßen erspart werden.

"Das Verfahren ist jetzt bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur in London für die gesamte EU zugelassen worden", sagte Schlag. "Das bedeutet, das Verfahren ist Behandlungsstandard geworden und wird von den Krankenkassen bezahlt."

An den Vorstudien waren neben der Rössle-Klinik auch Grundlagenforscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch sowie das Centre Hospitalier Universitaire Vaudois in Lausanne (Schweiz) und das Hoed Cancer Center, Rotterdam (Niederlande) beteiligt. Sie behandelten zusammen 186 Patienten mit dieser Therapie. Dabei sei es gelungen, bei 152 Patienten (82 Prozent) die Gliedmaßen zu erhalten. Inzwischen seien über 300 Patienten behandelt worden.

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