Gesundheit : Arpad Pusztais Triumph in Berlin

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Wie der Rächer der Enterbten ist Arpad Pusztai in Berlin nicht aufgetreten. Eher wie ein freundlicher, in der Sache fester älterer Herr. Pusztai ist der zurzeit bekannteste Gentechnik-Kritiker aus den Reihen der Wissenschaft selbst. Ein Fernsehinterview im Jahr 1998 über unveröffentlichte Forschungen brachte dem Wissenschaftler des schottischen Rowette-Instituts weltweite Publizität. Ratten, denen Pusztai genmanipulierte Kartoffeln zu fressen gegeben hatte, entwickelten sich schlechter als Nager mit herkömmlicher Kartoffelkost, behauptete er. Pusztais Auslassungen kosteten ihn seinen Job und die grüne Gentechnik in Großbritannien ihr Image. Im Juni 1999 dann verabschiedete die EU ein Moratorium, nach dem genetisch veränderte Pflanzen vorerst nicht mehr zugelassen werden.

Pusztai hat also auf ganzer Linie gesiegt. Aber die Beweislage ist nach wie vor dürftig. Das machte auch sein Vortrag am Robert-Koch-Institut deutlich. Der Wissenschaftler ist überzeugt, dass nicht das in die Kartoffeln eingepflanzte Erbmerkmal eines Schneeglöckchen-Lektins - es soll Insekten den Appetit auf Kartoffeln verderben - für seine Ergebnisse ausschlaggebend war, sondern die genetische Manipulation selbst. Das genetische Konstrukt, das das Lektin-Erbmerkmal in die Kartoffel eingeschleust hat, soll auf mirakulöse Weise den Ratten Schaden zugefügt haben.

Die Kritiker Pusztais werden dagegen nicht müde zu betonen, dass seine Untersuchung schwere methodische Mängel hat. Deshalb sei es gar nicht möglich, so weit reichende Schlüsse zu ziehen. Das Mediziner-Fachblatt "Lancet", sonst auf Studien etwa zu hohem Blutdruck, neuen Rheumamitteln und Malaria-Prophylaxe spezialisiert, druckte Pusztais Untersuchung trotzdem - mit dem scheinheiligen Argument, nun könne die "wissenschaftliche Debatte" beginnen. Aber die Fachleute hatten längst den Daumen über Pusztai gesenkt, und die Öffentlichkeit wird wohl mit einem Forscherdisput über grüne Gentechnik immer überfordert bleiben. Sie versteht nur Bahnhof und rätselt statt dessen verunsichert vor dem Gemüsetresen: Sind in der Tomate etwa Gene drin? Wer so fragt, und das sind nicht wenige, bei dem ist zumindest die Saat der Angst aufgegangen.

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