Gesundheit : Atemnot im Gottesdienst

Adelheid Müller-Lissner

Kerzenlicht und Weihrauch – gerade die Ingredienzien festlicher Stimmung könnten für die Lunge von Kirchenbesucher gefährlich werden, mutmaßt eine holländische Forschergruppe. Die Konzentration an krebsauslösenden Kohlenwasserstoffen sei in Kirchen deutlich höher als selbst an Hauptverkehrsstraßen, so Theo de Kok und sein Team von der Abteilung für Gesundheits-Risikoanalyse und Toxikologie der Universität Maastricht rechtzeitig vor Weihnachten im „European Respiratory Journal“ (Band 24, Nr. 6).

Die Forscher haben die Konzentration feiner Partikelchen in der Luft einer kleinen Kapelle und der großen Basilika von Maastricht gemessen – etliche Stunden, nachdem sie für ihr Experiment zahlreiche Kerzen angezündet und einen Gottesdienst mit Weihrauch „simuliert“ hatten.

Feinstaub ist gefährlich. „Die Partikel haben einen Durchmesser von zehn Mikrometern oder darunter und enthalten verschiedene Arten giftiger Chemikalien wie Ruß, Metalle und verschiedenartige krebserregende Moleküle“, so die Forscher. Dass sich der Feinstaub in Räumen anreichert, die wie Kirchen wenig belüftet werden, erstaunt nicht. Die Maastrichter waren jedoch überrascht über das Ausmaß. Sie stießen auf Konzentrationen, die den europäischen Grenzwert zwölf- bis 20-mal überschritten. Zudem wurden sie auf verschiedene Arten von freien Radikalen aufmerksam. Diese hochreaktiven Moleküle stehen im Verdacht, das Lungengewebe zu schädigen und Entzündungsreaktionen anzustoßen, wie sie bei Asthma und chronischer Bronchitis vorkommen.

Priester und andere, die lange in Kirchen arbeiten, seien gefährdet, Atemwegserkrankungen zu entwickeln, schließen die Niederländer. Auch „Kirchenbesucher, die fromm genug sind, jeden Tag mehrere Stunden in einem Gotteshaus zu verbringen, könnten betroffen sein.“ Die Gefahr für die Allgemeinbevölkerung jedoch hält sich wohl auch an Festtagen in Grenzen.

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