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Ab heute werden in der Schule alte Schreibweisen als Fehler gewertet. Die wichtigsten neuen Rechtschreib-Regeln im Überblick

Amory Burchard

Die Übergangsphase für die neue Rechtschreibung endet am 1. August. In allen Bundesländern außer Bayern und Nordrhein-Westfalen gilt jetzt für Schüler: Das Festhalten an den alten Regeln bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung, der Schreibung mit Bindestrich und der Groß- und Kleinschreibung werden als Fehler gewertet. Für die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Kommasetzung und die Worttrennung – Bereiche, mit denen sich der Rat für deutsche Rechtschreibung noch befasst – wird die Übergangsfrist um ein Jahr verlängert. Bis dahin könnte es auch noch zu Änderungen in der Groß- und Kleinschreibung kommen, kündigt der Rat an. Wir dokumentieren die wichtigsten neuen Regeln, die jetzt in Kraft treten (Quelle: Duden, 23. Auflage, 2004). -ry

ss und ß

Für den stimmlosen s-Laut nach kurzem Vokal schreibt man ss; das gilt auch im Auslaut der Wortstämme: dass (Konjunktion); nass; Schloss; iss! Nach langem Vokal oder Doppellaut (Diphthong) schreibt man – wie schon vor der Reform – ß: Fußball, Straße, grüßen, heiß.

Groß- und Kleinschreibung

Großschreibung

Die Bezeichnungen von Tageszeiten nach Adverbien wie gestern, heute und morgen werden als Substantive angesehen und großgeschrieben: gestern Abend, heute Morgen. Großgeschrieben werden in der Regel auch als Substantive gebrauchte Adjektive und Partizipien: und Ähnliches; wir haben Folgendes geplant; auf Englisch sagen; im Allgemeinen; der Einzelne. Die Großschreibung gilt auch in festen Wortgruppen und in Paarformeln zur Bezeichnung von Personen: im Dunklen tappen, im Trüben fischen, auf dem Laufenden sein; ein Programm für Jung und Alt.

Ordnungszahlen, die eine Reihenfolge angeben, werden ebenso großgeschrieben wie solche, die eine Rangfolge angeben: Jeder Dritte, der hereinkam, trug einen Hut. Als Erstes gehen wir in den Zoo.

Kleinschreibung

Auch für Briefe und Widmungen gilt: Die vertraulichen Anredepronomen du und ihr sowie die entsprechenden Possessivpronomen dein und euer werden kleingeschrieben: Lieber Hans, du hast lange nichts von dir hören lassen. Wie geht es euch? Weiter gilt die alte Regel: Die Höflichkeitsanrede Sie und das entsprechende Possessivpronomen Ihr werden immer großgeschrieben: Haben Sie meinen Brief bekommen? Wie geht es Ihnen?

Groß- oder Kleinschreibung

In festen adverbialen Wendungen aus Präposition und artikellosem, dekliniertem Adjektiv kann das Adjektiv sowohl klein- als auch großgeschrieben werden: von nahem/Nahem, bis auf weiteres/Weiteres. Dasselbe gilt für feste adverbiale Wendungen aus aufs oder auf das und Superlativ, die sich mit wie? erfragen lassen: Alles hatte sich auf das Schönste/auf das schönste geregelt.

Possessivpronomen in Verbindung mit einem bestimmten Artikel können auch großgeschrieben werden: Jedem das seine/Seine; Wir haben das unsere/Unsere zur Finanzierung beigetragen.

Die Zahladjektive viel, wenig, der eine, der andere können großgeschrieben werden, wenn ihr substantivischer Charakter hervorgehoben werden soll: Das Lob der vielen/Vielen war ihr nicht wichtig. Die einen/Einen sahen zu, die anderen/Anderen halfen mit. Die meisten/Meisten blieben zu Hause. Die Wörter hundert, tausend oder dutzend können klein- oder großgeschrieben werden, wenn mit ihnen unbestimmte, nicht in Ziffern schreibbare Mengen angegeben werden: Viele Hundert/hundert kamen bei dem Erdbeben ums Leben. Es gab Dutzende/dutzende Reklamationen.

In manchen Fachsprachen werden Adjektive üblicherweise großgeschrieben, wenn sie mit dem folgenden Substantiv einen Gesamtbegriff bilden. Außerhalb des fachsprachlichen Gebrauchs ist die Kleinschreibung der Regelfall, aber Großschreibung ist erlaubt: Die erste/Erste Hilfe; die aktuelle/Aktuelle Stunde; das gelbe/Gelbe Trikot.

Laut-Buchstaben-Zuordnung

Im Deutschen sind Sprachlaute und Buchstaben einander zugeordnet. Rechtschreib-Schwierigkeiten ergeben sich, wenn gleiche Laute durch unterschiedliche Buchstaben repräsentiert sind. Einige nur selten vorkommende alte Laut-Buchstaben-Zuordnungen wurden deshalb an vergleichbare Schreibungen angeglichen: beispielsweise wird Känguru (früher: Känguruh) jetzt wie Emu, Gnu und Kakadu geschrieben. Weitere Beispiele: rau (früher: rauh), jetzt wie blau oder genau, Zierrat (früher: Zierat, jetzt wie Verrat, Vorrat). Außerdem sollen nach dem Stammprinzip alle Wörter, die aus einer Familie stammen, einheitlich geschrieben werden. Beispiele: schnäuzen (von Schnauze); platzieren (von Platz); Stängel (von Stange); Gräuel (von Grauen); aufwändig (von Aufwand) – aber auch: aufwendig (von aufwenden). Dazu gehört auch die Verdoppelung von Konsonanten nach kurzen, betonten Vokalen – wenn es in der Wortfamilie so üblich ist. Beispiele: Tipp (von tippen), nummerieren (von Nummer).

Eindeutschung von Fremdwörtern

Häufig gebrauchte Fremdwörter können sich nach und nach der deutschen Schreibweise angleichen. In diesen Fällen sind sowohl die eingedeutschten (integrierten) als auch die nicht eingedeutschten Schreibungen korrekt. Beispiele: Delfin oder Delphin, Jogurt oder Joghurt, Portmonee oder Portemonnaie. Die Wortbestandteile graph, phon und phot können grundsätzlich auch graf, fon und fot geschrieben werden: Geografie oder Geographie, Saxofon oder Saxophon.

Schreibung mit Bindestrich

Zur Hervorhebung einzelner Bestandteile von Zusammensetzungen und Ableitungen kann ein Bindestrich gesetzt werden: Ich-Sucht (neben: Ichsucht), SollStärke (neben: Sollstärke). Man kann einen Bindestrich auch in unübersichtlichen Zusammensetzungen benutzen, auch in fremdsprachlichen Fügungen: Mehrzweck-Küchenmaschine, Lotto-Annahmestelle, Desktop-Publishing. Ein Bindestrich kann beim Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben gesetzt werden: Kaffee-Ersatz/Kaffeeersatz), Schwimm-Meisterschaft/Schwimmmeisterschaft). Der Bindestrich steht außerdem in Zusammensetzungen mit einzelnen Ziffern: 17-jährig, 100-prozentig.

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