Gesundheit : Aufbruchsignale aus dem All

30 europäische Satelliten sollen von 2008 an Transport und Verkehr regeln und sicherer machen - jetzt streiten sich Deutschland und Italien um die Aufträge

Thomas de Padova

Die Feinsteuerung kommt aus dem All: Mit einer Flotte aus 30 Satelliten wollen die Europäer den Verkehr in der Luft, auf Straße und Schiene bessser regeln und sicherer machen. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Rainer Hertrich, drängte am Dienstag bei einem Symposium in Berlin auf eine rasche Entscheidung seitens der Politik. Denn der Start des 3,5 Milliarden Euro teuren Navigationssystems „Galileo“ droht, sich wegen internationaler Streitigkeiten zu verzögern.

So haben sich Deutschland und Italien bisher nicht über die Führungsrolle in dem Satellitenprojekt einigen können. Und die USA, die bislang mit ihrem „Global Positioning System“ (GPS) nahezu ein Monopol in der Satelliten-Navigation besitzen, möchten dieses schützen: aus kommerziellen und militärischen Gründen. Sie haben starke Sicherheitsbedenken gegenüber „Galileo“.

Die 24 amerkanischen GPS-Satelliten umkreisen die Erde in 24 000 Kilometern Höhe. Jeder Satellit sendet präzise Zeitsignale aus. Ein Empfangsgerät kann aus vier solchen Signalen die eigene Position auf der Erde genau errechnen. Für den Güter- und Schiffsverkehr, aber auch für Bergsteiger und Segler ist die Positionsbestimmung eine enorme Hilfe.

Das weltumspannende Satellitennetz wird vom amerikanischen Verteidigungsministerium betrieben. Denn mit ihm lassen sich auch Raketen genau ins Ziel lenken. Eine zivile Nutzung ist in Krisenzeiten nur eingeschränkt möglich. So schalteten die USA im Kosovo-Konflikt den Empfang in einer ganzen Region ab.

Mit „Galileo“ wollen sich die Europäer von den USA unabhängig machen. 30 Satelliten sollen dem GPS-System von 2008 an Konkurrenz machen. Die Positionsbestimmung mit „Galileo“ werde wesentlich zuverlässiger und genauer sein, sagte Heinz Hilbrecht von der Europäischen Kommission im Haus der Wirtschaft in Berlin.

Ob „Galileo“ jedoch – wie angekündigt – ein rein ziviles Projekt bleiben wird, ist nicht geklärt. Auch das Militär wird Interesse an den kodierten Signalen zeigen. Und bisher haben die Europäer den Amerikanern kein überzeugendes Sicherheitskonzept vorlegen können, das ausschließt, dass Schurken das System missbrauchen könnten. „Die Amerikaner möchten, dass sie in einer Krise, ohne uns zu fragen, das System stören können“, sagte Hilbrecht. „Das wollen wir nicht.“

Mit der Zuverlässigkeit des Systems steht und fällt aber das Interesse der Nutzer. Der Bundesverband der Deutschen Industrie sieht einstweilen gute Chancen, mit „Galileo“ zunächst 20 000, später bis zu 100 000 Arbeitsplätze zu schaffen. Mit dem Vorhaben steige Europa in einen Markt ein, dessen Volumen bis zum Jahr 2025 rund 270 Milliarden Euro erreicht haben werde, sagte Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg.

So ermögliche „Galileo“ den Spediteuren eine grenzüberschreitende Logistikplanung, ergänzte Hertrich. „Sie wissen immer, welcher Lastzug wann, wo ist.“ Und auf überlasteten Fernstraßen könnten Fahrzeuge in Spitzenzeiten besser gesteuert werden. Die wirtschaftlichen Interessen der EU-Länder sind allerdings nicht leicht unter einen Hut zu kriegen. Noch steht nicht fest, wo die Satelliten gebaut werden und wie der Betrieb finanziert werden soll. Deutschland und Italien streiten sich um die Vergabe von Aufträgen. So geht Zeit verloren, die die Amerikaner für eine Verbesserung ihres Systems nicht ungenutzt lassen werden.

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