Gesundheit : Aus dem Treibhaus wurde der Eiskeller Antarktis Vor Millionen Jahren sank CO2 -Konzentration in der Luft weltweit

Roland Knauer

Von Roland Knauer

Einfach lässt sich die Frage nicht beantworten, weshalb die Antarktis so kalt ist. Von der Lage am Südpol bis zu der Öffnung der Drake-Passage zwischen Südamerika und der antarktischen Halbinsel reichten bisher die Gründe, die Geologen für die völlige Vereisung eines ganzen Kontinentes nannten. Auf dem bis Freitag in Potsdam laufenden 9. internationalen Symposium über die Geologie der Antarktis aber entlarvt Peter Barker vom British Antarctic Survey in Cambridge solche Theorien als wackelig und nennt eine neue Ursache, die Klimaforschern recht geläufig ist.

Seiner Meinung nach verschwand vor 35 Millionen Jahren das reichlich vorhandene Kohlendioxid zunehmend aus der Atmosphäre, bis der wärmende Treibhauseffekt so schwach war, dass der Schnee auf der Antarktis nicht mehr schmelzen konnte. Da aber jedes Jahr neuer Schnee fällt, verdichten sich die Schichten langsam zu Eis, das schließlich den gesamten Kontinent bedeckte.

Die Grundlage für seine Theorie legt Peter Barker, wenn er Ungereimtheiten in den bisherigen Modellen aufdeckt. Einig sind sich die Geologen zum Beispiel, dass die Antarktis einst das Herzstück bildete, das den Urkontinent Gondwana vor zweihundert Millionen Jahren zusammenhielt. Als dieser auseinander brach, bildeten sich mit der Zeit die heutigen Kontinente, und die Antarktis driftete langsam zum Südpol. Allein die Position ganz unten reicht aber offensichtlich nicht für eine Vereisung. Schließlich kam die Antarktis vor rund 120 Millionen Jahren am Südpol an, während dort noch etliche Jahrmillionen Jahre später die Wärme liebenden Dinosaurier und die Beuteltiere lebten.

Bisher schoben die Geologen daher eine zweite Erklärung nach: Vor 120 Millionen Jahren war die Antarktis noch über Landbrücken mit Südamerika und Australien verbunden. Erst vor 35 Millionen Jahren brachen beide Kontinente endgültig ab. Nun konnte der in Südpol-Nähe immer kräftig wehende Westwind das kalte Wasser des Süd-Ozeans in einem riesigen Kreis rund um den Südpol treiben, ohne auf Widerstand in Form eines Kontinents zu treffen. Das kalte Wasser isoliert noch heute die Antarktis von den warmen Wassermassen der Tropen und hält so die Eiskeller-Bedingungen um den Südpol aufrecht. Das Schönste an der Geschichte: Vor exakt den gleichen 35 Millionen Jahren begann die Antarktis zu vereisen.

So einleuchtend dieses Modell ist, so falsch ist es auch, meint Peter Barker. Denn ein Ringstrom isoliert nur dann vollständig von den tropischen Temperaturen, wenn er bis auf den Grund des rund dreitausend Meter tiefen Süd-Ozeans reicht. So eine tiefe Meeresstraße bildete sich vor rund 35 Millionen Jahren tatsächlich südlich der Insel Tasmanien im Süden von Australien. Der einsetzende Ringstrom aber wurde bereits bei Südamerika wieder abrupt gebremst: Dort wurde das Meer erst vor 20 Millionen Jahren tiefer.

Barker identifiziert die abnehmenden CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre gemeinsam mit der Lage am Südpol als Ursache für die Vereisung der Antarktis. So lag der Gehalt dieses Treibhausgases vor 40 Millionen Jahren deutlich über dem Wert von vor 25 Millionen Jahren. Als vor zwanzig Millionen Jahren der Ringstrom die Antarktis endgültig von tropischen Gewässern abriegelte, verstärkte er die Vereisung zwar noch. Verursacht hat er den Eiskeller aber nicht.

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