Gesundheit : Aus für die Tusma: Helfen die Heinzelmännchen?

Amory Burchard

Was wird aus den Studenten, die von der Arbeitsvermittlung Tusma in Jobs vermittelt wurden? „Wir machen uns vor allem um die Älteren Sorgen“, sagt Tusma-Vorstand Tarik Kilinc. Bis zu 40 Prozent der regelmäßig vermittelten Arbeitskräfte seien aus dem Studentenalter heraus und würden mit dem Ende der Tusma auf der Straße stehen. Die studentische Stellenbörse ist insolvent und muss ihren Betrieb zum Ende des Monats einstellen. Die andere große Berliner Studentenjob-Vermittlung, die vom Studentenwerk betriebenen Heinzelmännchen, möchte die Klienten der Tusma zwar übernehmen – aber nur bis zum Alter von 28 Jahren.

Die Jobvermittlungen haben ein Imageproblem wegen überalterter Arbeitskräfte, sagt Rosita Lohmann, Leiterin der Beratungsdienste beim Studentenwerk. Wenn etwa eine Hochzeitsgesellschaft eine studentische Servicekraft anfordere und eine 55-jährige Pro-Forma-Studentin bekomme, sei die Enttäuschung groß. Deshalb versuche sie, eine Altersgrenze von 28 Jahren bei Erstvermittlungen und eine Semesterhöchstzahl von 20 Semestern durchzusetzen.

Trotzdem: Auf die Heinzelmännchen kommt mit dem Tusma-Aus viel Arbeit zu. An 7000 bis 8000 Studenten hat die Börse pro Jahr bis zu 70 000 Aufträge vermittelt, sagt Kilinc. Die Heinzelmännchen sind kleiner: Im vergangenen Jahr schickten sie nach Angaben von Rosita Lohmann 2000 Studenten zu 19 000 Einsätzen. Nicht nur die Tusma, auch die Konkurrenz vom Studentenwerk leidet in den letzten Monaten verstärkt unter einem Rückgang der Angebote von Arbeitgebern. Dabei ist die Tusma ein privater Verein, der ohne öffentliche Zuschüsse auskommen muss; die Heinzelmännchen werden vom Studentenwerk bezuschusst – aus dem 13-Millionen-Topf, den der Senat der Dachorganisation jährlich gibt.

Ist das Ende der Tusma also eine Chance für die Heinzelmännchen, profitabler zu werden? „Ich werde mich bemühen, für die Studenten und für die Arbeitgeber weiter Vermittlungen anzubieten“, sagt Lohmann vorsichtig. Das Studentenwerk wolle eventuell eine Filiale in der Hardenbergstraße eröffnen, um den Ansturm zu bewältigen. Es sei auch denkbar, dass dort einige der 19 Tusma-Angestellten „befristet“ weiterarbeiten könnten.

Ganz aufgeben will die Tusma noch nicht. Tarik Kilinc kündigt für die kommende Woche eine Protest-Demonstration gegen die Abwicklung an – und Appelle „an den Senat und Unternehmen, das Defizit auszugleichen“. 150000 Euro Schulden habe die Tusma beim Finanzamt, weitere 50000 Euro Schulden aus Verlusten seit Jahresbeginn; für ein neues EDV-Programm, das die monatliche Abrechnung erleichtere, seien zusätzlich 100000 Euro nötig. Im Senat ist die Sache schon entschieden. „Es wird keine Landesmittel geben“, sagt Brigitte Reich von der Wissenschaftsverwaltung.

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