Gesundheit : Aus für HU-Agrarfakultät

Wissenschaftsrat empfiehlt Abwicklung

Uwe Schlicht

Der Wissenschaftsrat hat eine Flurbereinigung in den Agrarwissenschaften empfohlen. Obwohl so wichtige Fragen wie die Auswirkung des Klimawandels auf die Landwirtschaft oder die Zukunft der Welternährung die zentrale Bedeutung der Agrarwissenschaften für die Gesellschaft belegen, werden an Unis und Forschungsinstituten des Bundes immer mehr Stellen abgebaut. Dies habe zur Folge, dass in Deutschland vielfach nur noch „in unterkritischen und international kaum wettbewerbsfähigen Forschungseinheiten gearbeitet werden kann“, erklärte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats Peter Strohschneider am Montag in Berlin.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt, anstelle der bundesweit zehn agrar- und ernährungswissenschaftlichen Fakultäten nur noch sechs regionale Forschungszentren (Cluster) zu bilden. Auffallend ist der Aderlass in den von der Landwirtschaft stark geprägten neuen Ländern. Von drei Fakultäten soll nur noch eine übrig bleiben, in Halle/Wittenberg. Die Agrar- und Gartenbaufakultäten in Rostock und an der Humboldt-Universität (HU) sollen ihren Fakultätscharakter verlieren.

Als Vorbild und am besten ausgestattete Forschungs- und Lehreinrichtung in Deutschland gilt die Universität Hohenheim bei Stuttgart. Sie hat 60 Professuren. Der Wissenschaftsrat hält für eine agrarwissenschaftliche Fakultät eine Mindestausstattung von 20 bis 24 Professuren für erforderlich, um exzellente Forschung und Lehre zu gewährleisten. Diese „kritische Masse“ verfehlt die Landwirtschaftlich-gärtnerische Fakultät der HU. Dort gibt es nur noch ein gutes Dutzend Professuren. Am Abbau der Fachprofessuren ist der Wissenschaftsrat indes nicht schuldlos. Als die Agrarwissenschaften mit dem Gartenbau, der einmal an der TU Berlin angesiedelt war, nach der Wiedervereinigung fusionierten, befürwortete der Wissenschaftsrat eine Reduzierung von 60 auf 40 Professuren. Im Jahr 2000 empfahl der Wissenschaftsrat dann eine Reduzierung auf 31 Professuren. Dies sei „erforderlich, aber auch angemessen, um der Vielfalt und Breite der Aufgaben in Forschung und Lehre gerecht zu werden“.

Da der Wissenschaftsrat zugleich die Aufwendungen in Höhe von 18,5 Millionen Euro für zu hoch hielt, kam es 2005 im Zuge der erneuten Sparrunde in Berlin zur Reduzierung auf 13 bis 14 Professuren. Künftig solle die Lehre eingestellt werden, die naturwissenschaftlichen Professuren zur Biologie wechseln und bei den Lebenswissenschaften mitarbeiten. Die renommierte Agrarökonomie der HU könne an die Wirtschaftswissenschaften gehen. Zurzeit sind 1330 Studenten eingeschrieben. HU-Präsident Markschies begrüßte „die kluge Stellungnahme des Wissenschaftsrats“. Sie weise einen präzisen Weg für eine Netzwerkbildung von Kompetenzen in Ostdeutschland. Diese Linie sei gemeinsam mit dem Senat von Berlin entwickelt worden.

Die Agrar- und Ernährungswissenschaften sollen in Halle/Wittenberg ihr neues Zentrum finden. Dort gibt es zurzeit 24 Professuren, von denen jedoch sechs gestrichen werden sollen. Damit wäre eine unterkritische Masse erreicht. Aber der Wissenschaftsrat sieht in Halle eine hervorragende Vernetzung der Universität mit agrarwissenschaftlichen Instituten der Leibniz Gemeinschaft.

Eine unkoordinierte Streichungspolitik in den Agrarwissenschaften soll künftig ein Koordinierungs- und Beratungsgremium des Bundes und der Länder verhindern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar