Gesundheit : Badegewässerrichtline: Im Bade der Erkenntnis

tdp

Egal wie das Wetter wird - am Sonnabend werden am Plötzensee 400 Badende erwartet. Sie schwimmen für die Forschung. Zehn Minuten sollen sie im Wasser bleiben und drei Mal mit dem Kopf untertauchen. Danach inspizieren Forscher der Universität Tübingen ihre Augen, Nase und Rachen und prüfen, ob in den Folgetagen Beschwerden auftreten. Es geht ihnen auch um Wehwehchen, deretwegen man nicht gleich zum Arzt geht.

Gemeinsam mit dem Umweltbundesamt in Berlin wollen die Tübinger Forscher feststellen, ob die bereits 1976 erlassene Badegewässerrichtline der Europäischen Union sicherstellt, "dass es beim Baden in unseren heimischen Gewässern nicht zu Beeinträchtigungen der Gesundheit durch Mikroorganismen kommt". Die Herkunft von der EU angegebenen Grenzwerte etwa für bestimmte Bakterien ist nämlich für Wissenschaftler nicht mehr ohne Weiteres nachvollziehbar. Und so gibt es seit geraumer Zeit Diskussionen über eine Änderung der Richtlinie.

"Die Konsequenz könnte sein, dass viele potenzielle Badegewässer zugelassen werden, wenn die Grenzwerte laxer werden", sagt Juan Lopez-Pila, Leiter des Fachbereichs Mikrobiologie beim Umweltbundesamt. Es könnte aber auch sein, dass die Grenzwerte verschärft werden. "Wir wissen es nicht, aber man sollte eine solche Entscheidung nicht leichtfertig treffen", sagt Lopez-Pila. Sie hätte unter anderem Folgen für den Tourismus.

Im Rahmen der Studie werden fünf Gewässer genauer untersucht, darunter der Berliner Plötzensee. Eines weiß man schon: Im Plötzensee schwimmen derzeit keine Algen, die Giftstoffe bilden. Das hat eine Voruntersuchung ergeben. "Wir haben Glück gehabt", sagt Lopez-Pila. Denn bei lang anhaltendem warmen Wetter seien die Algen um diese Jahreszeit ein Ernst zu nehmendes Problem.

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