Gesundheit : Bedrohung aus dem All

Frank Schubert

Der Schrecken war im Nachhinein groß, als ein 300 Meter großer Asteroid kürzlich knapp an der Erde vorbei gerast war. Er verfehlte uns nur um 800 000 Kilometer - das entspricht etwa der doppelten Entfernung des Mondes. In astronomischen Maßstäben gemessen, ist das haarscharf. Hätte er die Erde getroffen, die Folgen wären katastrophal gewesen.

Der 300-Meter-Asteroid mit dem Namen "2001 YB5" hätte einen Krater von fünf bis sechs Kilometer Durchmesser gerissen. Im Umkreis von 15 Kilometern wäre alles dem Erdboden gleichgemacht worden. "Der Einschlag hätte der Explosion von 10 000 Hiroshima-Bomben entsprochen", sagte Dieter Stöffler, Professor für Mineralogie an der Berliner Humboldt-Universität, bei einem Vortrag zum Jahr der Geologie. Die Untersuchung von Asteroidenkratern ist einer seiner Forschungsschwerpunkte.

Wie kann ein Brocken von "nur" 300 Metern Durchmesser solch massive Zerstörungen hervorrufen? "Die Projektile treffen mit unglaublicher Geschwindigkeit auf die Erde - mit etwa 20 Kilometer pro Sekunde", sagt Stöffler. Bei einer derart hohen Geschwindigkeit hat der Asteroid eine schier unvorstellbare kinetische Energie. Diese wird beim Aufprall zum großen Teil in Wärme umgesetzt. Kurzzeitig entwickeln sich Temperaturen von über 10 000 Grad Celsius. Das Bodengestein wird geschmolzen und als Lava kilometerweit fortgeschleudert, die übermäßig erhitzte Luft entlädt sich in einer gewaltigen Druckwelle. Trotz alledem wären die von "2001 YB5" bewirkten Zerstörungen noch regional begrenzt gewesen.

Ganz anders sah es jedoch vor 65 Millionen Jahren aus. Ein zehn Kilometer großer Asteroid traf damals auf die Erde, in der Gegend des heutigen Mexiko. Zu dieser Zeit befand sich dort ein Flachmeer mit etwa 100 Metern Wassertiefe. Der Einschlag des Zehn-Kilometer-Riesen entsprach der Explosion mehrerer Millionen Hiroshima-Bomben. Das umgebende Meer verdampfte sofort; der Wasserdampf, das Asteroidenmaterial und das Meeresbodengestein wurden, teils gasförmig, teils flüssig, bis in die Stratosphäre geschleudert - 30 Kilometer hoch. Im Meeresboden riss sich ein Loch von 100 Kilometern Durchmesser und 30 Kilometern Tiefe auf, welches aber sofort wieder in sich zusammenstürzte. Das emporgeschleuderte Gestein bewirkte einen weltweiten Lava-Regen, der überall Wald- und Steppenbrände auslöste. Der ganze Planet stand in Flammen. Unmengen von Ruß verseuchten die Atmosphäre. Die Sonne verdunkelte sich für Monate, eine Kälteperiode setzte ein.

Damals wurden 70 bis 90 Prozent der gesamten Biomasse zerstört, die Hälfte der Arten ausgelöscht - auch die Dinosaurier. Es überlebten nur kleinere Arten, unter anderem auch urzeitliche Säugetiere, die Ahnen des Menschen. Übrig geblieben von diesem prähistorischen Supergau ist der Chicxulub-Krater auf der Halbinsel Yucatan in Mexiko. Eigentlich ist er eher unter als auf der Halbinsel, denn den gigantischen Krater mit einem Durchmesser von 200 Kilometern bedeckt heute eine 1000 Meter dicke Gesteinsschicht. Oberirdisch ist er nicht sichtbar; man hat ihn durch Bohrungen und Gesteinsproben nachgewiesen.

Asteroiden-Einschläge mit globalen Zerstörungen sind glücklicherweise selten. Projektile mit einem Durchmesser von zehn Kilometern treffen die Erde im Durchschnitt nur alle 100 Millionen Jahre. Bis zum nächsten Einschlag dieser Größenordnung sind es - statistisch gesehen - also noch 35 Millionen Jahre. Kleinere Kollisionen finden hingegen häufiger statt: Brocken mit 1 km Durchmesser gehen durchschnittlich alle 1 Million Jahre, mit 100 m Durchmesser alle 1000 Jahre nieder. Die Chicxulub-Katastrophe liegt bereits jenseits aller Vorstellungskraft.

Doch in ihrer Frühphase - 4,5 bis 4 Milliarden Jahre vor unserer Zeit - hatte die Erde noch gewaltigere Karambolagen durchzustehen, die so genannten Mega-Kollisionen. "Man geht heute davon aus, dass die Erde in dieser Zeit 17mal von Projektilen mit bis zu 300 km Durchmesser getroffen wurde", so Stöffler. Das Ergebnis war jedesmal eine totale Sterilisation der Erde. Eine kontinuierliche Evolution des Lebens war in dieser Zeit völlig unmöglich. Erst als die Mega-Kollisionen eines Tages aufhörten - die Riesenbrocken waren in den zahlreichen Kollisionen "abgesammelt" worden - konnte sich komplexes Leben entwickeln.

Ein noch größerer Zusammenprall liegt der Entstehung des Mondes zugrunde. Ein Himmelskörper von der Größe des Mars krachte auf die Erde und riss einen Teil von ihr ab. Aus dem verloren gegangenen Material entstand unser Erdtrabant. Als Neil Armstrong im Jahre 1969 als erster Mensch den Mond betrat, setzte er den Fuß daher im Grunde genommen auf irdischen Boden.

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