Gesundheit : Berlin lässt nur die Besten studieren

Was Abiturienten zum totalen Numerus clausus wissen müssen

Anja Kühne

Schlechte Zeiten für Abiturienten, die in Berlin studieren wollen: Noch nie waren die Chancen auf einen Studienplatz in der Hauptstadt so schlecht wie jetzt. Denn Berlins Universitäten wehren sich gegen den großen Zulauf. Zum kommenden Wintersemester haben sie wegen der Sparauflagen des Senats einen flächendeckenden Numerus clausus (NC) verhängt. Dabei nahmen die Unis schon im Wintersemester vor einem Jahr, als es den flächendeckenden NC noch nicht gab, fast nur noch jeden dritten der rund 30 000 Bewerber auf: Rund 13 000 Erstsemester wollten jeweils an FU und Humboldt Universität studieren. Aber nur rund 4500 bis 5000 Anfänger wurden zugelassen. Diese Zahl der akzeptierten Studenten dürfte jetzt noch einmal um ein Drittel sinken. Was kommt also auf die Abiturienten zu? Hier einige Antworten auf wichtige Fragen:

Was bedeutet „flächendeckender NC“?

Der flächendeckende Numerus clausus bedeutet, dass es an den Universitäten in Berlin nun kein einziges Fach mehr gibt, für das Erstsemester sich einfach einschreiben können, egal welche Abiturnote sie haben. Stattdessen müssen sie sich bei den Universitäten bewerben (in wenigen Fächern auch bei der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze, der ZVS). Auch das Schlupfloch in Brandenburg ist gestopft: Die Uni Potsdam hat ebenfalls einen totalen Numerus clausus.

Bis wann kann man sich bewerben?

Wer im Wintersemester sein Studium aufnehmen will, muss die Bewerbungsunterlagen so rechtzeitig abschicken, dass sie bis zum 15. Juli auf dem Tisch der Unis oder der ZVS liegen. Wer diesen Termin verpasst, kann bis zum 1. Oktober einen Losantrag stellen. Allerdings werden nur Studienplätze verlost, die zum Schluss übrig sind.

Wie gut muss meine Abiturnote sein?

Bei welcher Note der NC in einem Fach liegt, steht erst fest, wenn das gesamte Bewerbungsverfahren abgeschlossen ist. Denn die Universitäten legen für jeden Studiengang keine Eingangs-Abiturnote, sondern eine maximale Studentenzahl fest, zum Beispiel 100. Davon werden 40 Prozent an früher abgelehnte Studenten mit Wartesemestern vergeben. Die anderen 60 Prozent gehen an diejenigen Bewerber, die die besten Abinoten haben. Der Letzte, der gerade noch unter diese 60 „ Besten“ gekommen ist, hat die Numerus clausus-Note – wer schlechter ist, wird abgelehnt. Um zu wissen, ob man sich mit einer 2,8 im Abi erfolgreich bewerben kann, bietet die NC-Note des Studiengangs in den Semestern davor Anhaltspunkte. Lag sie bei 1,2, ist die Chance gering.

Wie kann ich meine Chancen auf einen Studienplatz verbessern?

Die Studienberater empfehlen, sich auf jeden Fall an mehreren Hochschulen zu bewerben (wieder ist der 15. Juli die Frist!). Selbst eine Bewerbung an mehreren Berliner Unis kann Sinn machen: Weil die Kapazitäten für einen Studiengang unterschiedlich groß sind, kann auch der NC unterschiedlich ausfallen. Außerhalb Berlins kann es auch ganz ohne Bewerbung gehen: „Es gibt fast jedes Fach irgendwo im Bundesgebiet zulassungsfrei“, sagt Siegfried Engl von der Freien Universität (eine Übersicht gibt die Seite der Hochschulrektoren: hochschulkompass.de).

Kann ich mich einklagen?

Viele Klagen von Studenten sind beim Berliner Verwaltungsgericht anhängig. „In vielen Studiengängen gewinnen wir, in anderen nicht“, sagt Wolfgang Krieger vom Controlling der FU. Die Studenten müssen nachweisen, dass die Kapazitäten der Uni gar nicht ausgelastet sind. Matthias Jähne von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft empfiehlt jedem abgewiesenen Bewerber zu versuchen, sich einzuklagen: „Das lohnt auf jeden Fall.“ Denn selbst wenn die Universitäten in Zukunft Lehrpersonal abbauen müssten, seien diese Kapazitäten im Wintersemester noch vorhanden. Bei der Rechtsantragsstelle des Verwaltungsgerichts (Kirchstraße 7, Mo – Fr 8 Uhr 30 bis 13 Uhr) gibt es Infoblätter, in denen das Vorgehen und mögliche Risiken beschrieben werden.

Mehr im Internet:

Auf den Homepages der Unis

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