Gesundheit : Besser vernetzen

Studie: Unis müssen auf Unternehmen zugehen

Tilmann Warnecke

Wenn es um die Zusammenarbeit von Forschern mit Unternehmen geht, ist die Region Berlin-Brandenburg deutschlandweit vergleichsweise gut aufgestellt. In einer neuen Studie des Stifterverbandes, die die Kooperation von Hochschulen und Wirtschaft untersucht, sind unter 12 „Best Practice“-Beispielen zwei Berliner Kooperationen gelandet: das „European Center for Information and Communication Technologies“ der Technischen Universität und die „Humboldt-Innovation GmbH“ der Humboldt-Uni. Auch der Standort Potsdam wurde gestern bei der Präsentation der Studie gelobt. Das Land Brandenburg habe begriffen, dass „ohne die Partnerschaft von Hochschulen und Firmen“ bei der wirtschaftlichen Entwicklung „nichts geht“, sagte Christoph Schneider von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Mitautor der Studie.

Andere Städte mit guter Kooperation zwischen Firmen und Forschung seien Aachen, München, Stuttgart und Dresden. Für die Studie wurden 100 Unternehmen, 73 Hochschulen, 34 Forschungsinstitute und 25 Verbände befragt.

Im Kommunikationszentrum der TU arbeiten Forscher mit Firmen wie der Telekom und Daimler-Chrysler an neuen Erfindungen. Die Kooperation mit mehreren Großunternehmen auf einem Forschungsfeld gewährleiste, dass „Wissenschaftler sich mit innovativen Produkten und Lösungen am Markt platzieren“, heißt es in dem Bericht. Die Innovations-GmbH der HU, die für Forscher den Vertragsabschluss mit Unternehmen übernimmt, trage dazu bei, angestrebte Kooperationen schneller umzusetzen.

Bundesweit hat sich das finanzielle Volumen der Forschungskooperationen in den letzten zwölf Jahren auf jetzt 1,32 Milliarden Euro verdoppelt. Gleichwohl sei noch viel zu verbessern, Deutschlands Innovationsfähigkeit liege im internationalen Vergleich „im Mittelfeld“, sagte Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbands. So sei die Zahl der Unternehmensgründungen im Bereich der forschungsintensiven Industrie in den letzten zehn Jahren um ein Drittel zurückgegangen. Die Hochschulen seien „auf Kooperation und Erkenntnistransfer noch nicht gut genug eingerichtet“, sagte DFG-Präsident Matthias Kleiner. Ebenso zögerten kleine und mittlere Firmen oft, auf Hochschulen zuzugehen.

Zur Verbesserung der Kooperationen müssten sich Unis und Firmen noch stärker auf „strategische Partnerschaften“ einlassen, heißt es in der Studie. Bund und Länder sollten ihre vielen, teilweise unübersichtlichen Förderprogramme vereinheitlichen. Der Bund solle ein neues großes Programm auflegen, aus dem allein der Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft gefördert werde. Großbritannien gebe bereits zwanzig Prozent seiner staatlichen Forschungsmittel dafür aus, dass die Hochschulen bessere Kooperationsprogramme mit der Wirtschaft aufbauen. Zudem müsse das Stiftungsrecht noch stärker als bisher geplant reformiert werden. Der vom Finanzministerium vorgesehene Steuerfreibetrag von 750 000 Euro für Stiftungskapital müsse auf drei bis fünf Millionen Euro angehoben werden. Nur dann könnten Stiftungsprofessuren entstehen, die allein aus den Zinsen des Stiftungskapitals finanziert werden.

Der Bericht im Internet:

www.stifterverband.de/innovationsfaktor

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