Gesundheit : Biotop Erde: Wenigstens Teile des Amazonas-Gebiets sollen geschützt werden

Roland Knauer

Tropische Feuchte, ein Jaguar schleicht durch das Dämmerlicht, ein Faultier hängt kopfüber im bemoosten Geäst, mit Blasrohren jagen Indios lautlos, sagenhafte Goldschätze harren ihrer Entdeckung und eine Piste wird als Pioniertat gefeiert, weil sie den Regenwald zugänglich macht - diese Vorstellung haben viele Menschen vom Amazonas-Gebiet. Oft trügen solche Bilder, am Amazonas dagegen treffen sie die Wirklichkeit sehr exakt - im positiven, wie im negativen Sinn. Wer länger in der Region unterwegs ist, dem kann es schon passieren, dass in den Objektiven seiner Kamera die Pilze wachsen. Die feuchtwarme Luft bietet einen idealen Nährboden für solche Organismen. Die Bilder von Jaguar und Faultier müssen dann ausfallen, beide lassen sich wie praktisch alle großen Tiere des Regenwaldes ohnehin kaum blicken. Das feuchte Klima des Amazonasbeckens erhält sich sozusagen von selbst. Denn in der tropischen Sonne verdampfen riesige Mengen Wasser aus den Blättern und Gräsern, kondensieren in der Atmosphäre zu Wolken und schließen als zu Boden fallender Regen den Kreislauf.

Klimaforscher haben ausgerechnet, das sich zumindest ein Teil des Amazonasbeckens rasch in eine Savanne oder gar eine Wüste verwandeln könnte, wenn die Wälder weiter abgeholzt werden, weil dann der Nachschub an Feuchtigkeit fehlt. Und die Wälder werden gerade im Amazonasbecken sehr rasch abgeholzt. Vor allem seit die Transamazonica genannte Piste in Brasilien große Teile der Region erschließt, strömen Siedler dorthin, roden den Wald für Viehweiden oder karge Äcker, die gerade einmal zwei oder drei Jahre Erträge bringen und danach wieder brach fallen.

Der Wald aber ist zerstört und kehrt kaum mehr zurück. Der erste Schritt auf dem Weg zur Wüste ist getan. Auch im Hinblick auf die Artenvielfalt. Denn auch nur wenige Rodungen bewirken, dass ein paar hundert Meter in den Wald hinein viele Arten nicht mehr keimen können, weil es ihnen inzwischen zu hell und zu trocken ist. Der eigentlich ungestörte Wald neben den Weiden und vorübergehend genutzten Äckern verarmt daher an Arten, wandelt sich in eine Biodiversitäts-Wüste.

Längst greift der Mensch auch massiv in die unberührt anmutenden Gebiete ein. Gemeint sind damit nicht etwa die Indiostämme, von denen einige tatsächlich noch mit vergifteten Pfeilen aus Blasrohren Beute schießen. Diese Indios sind viel zu wenige, um den Regenwald ernsthaft Probleme zu bereiten. Zyniker meinen sogar, sie gehörten selbst auf die rote Liste der hochbedrohten Arten.

Der Einfluss des Menschen stammt vielmehr aus den Goldschätzen, die tatsächlich im Amazonasbecken schlummern. Allerdings nicht als vergrabene Inka-Schmuckstücke, sondern als solides Erz. Und das laugen die Goldsucher mit Hilfe von Quecksilber aus den Sedimenten der Flüsse. Überschüssige Quecksilberverbindungen schwimmen anschließend flussabwärts und vergiften dort das Ökosystem und auch am Wasser lebende Menschen.

Um das Amazonas-Gebiet zu retten, versuchen Naturschutzverbände wie der World Wide Fund for Nature (WWF) die Regierungen der angrenzenden Länder Brasilien, Ecuador, Peru und Bolivien davon abzubringen, das Gebiet weiter zu erschließen. Riesige Reservate wie der Manu-Nationalpark in Peru schützen inzwischen wichtige Kernregionen vor den Einflüssen der Zivilisation, die bis hin zur Ölsuche reichen. Brasilien will noch in diesem Jahr insgesamt zehn Prozent seines Amazonas-Gebietes unter Schutz stellen. Und der WWF stellt das Amazonas-Gebiet auf der Expo 2000 als eine der Global 200-Regionen vor, die für das Biotop Erde unentbehrlich sind.

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