Gesundheit : Blut spenden – für sich selbst

Transfusionen sind nur noch selten mit Keimen verunreinigt. Aber man kann das Risiko noch weiter senken

Adelheid Müller-Lissner

„Ich würde den letzten Tropfen Blut für sie hingeben", sprach der Verlobte der blassen Dame, die ein Vampir blutarm saugte. Was im Roman „Dracula“ von Bram Stoker aus dem Jahr 1897 auf diesen mutigen Satz folgt, ist wahrscheinlich die weltweit erste Beschreibung einer Bluttransfusion. Ein gewagtes Unternehmen schon deshalb, weil das Blut ohne jeden Blutgruppen-Vergleich direkt von der Vene des kräftigen jungen Mannes in die seiner entkräfteten Angebeteten geleitet wurde.

Heute sind die Risiken einer Bluttransfusion niedrig, aber nicht gleich null: Wer wegen eines starken Verlustes, etwa während einer Operation, Blut eines Spenders bekommt, kann sich theoretisch mit Viren infizieren, die Hepatitis oder Aids auslösen.

Rein rechnerisch liegt die Gefahr für HIV heute bei eins zu einer Million, für Hepatitis B bei eins zu 200000. Nicht zuletzt dank neuer Nachweisverfahren für Erbsubstanz, die für Hepatitis C schon Routine sind und für HIV ab 2004 Pflicht werden sollen, ist die Gefahr einer solchen Infektion in den letzten Jahren nochmals deutlich gesunken.

Strenge Auswahl der Spendewilligen, die in den letzten Monaten keine Reisen in bestimmte Länder gemacht und keine medizinischen Eingriffe gehabt haben dürfen, nicht zuletzt aber auch die Möglichkeit zum „vertraulichen Selbstausschluss“ direkt nach der Spende geben zusätzliche Sicherheit.

Spender sind gesünder

Wer Blut spendet, ist nach den Erkenntnissen von Hans Ulrich Altenkirch gesünder als der Durchschnitt der Bevölkerung. Der Berliner Labormediziner berichtet, dass Blutspender bis zu zehn Mal seltener mit gefährlichen Viren infiziert sind. Dennoch können Blutprodukte nicht völlig sicher sein, denn ganz frische Infektionen des Spenders können den Testern der Blutspendeorganisationen durch die Lappen gehen. Hinzu kommt das – wenn auch winzige – Risiko, dass das fremde Blut nicht vertragen wird.

Das alles ist Grund genug, mit den wertvollen Konserven sparsam umzugehen. Möglichkeiten dazu suchten Experten bei einem wissenschaftlichen Symposium im Berliner St.-Joseph-Krankenhaus. Chancen sehen sie in der Eigenblutspende – vor allem bei chirurgischen Eingriffen, die lange vorher geplant und an ansonsten gesunden Patienten vorgenommen werden können.

In solchen Fällen können Betroffene einige Wochen vorher das eigene Blut spenden, das ihnen später bei Operationen selbst zugute kommen kann. Vor dem Ersatz verschlissener Hüftgelenke ist dieses Verfahren heute bereits in vielen Kliniken üblich. Schon weil es in Deutschland am Blutspende-Elan mangelt und der besondere Saft zum knappen Gut geworden ist, ist das sinnvoll.

Das Motto „Eigenblut vor Fremdblut“ wird heute auch vom Gesetzgeber gefordert. In den letzten Jahren sind zudem Hinweise darauf aufgetaucht, dass die Auseinandersetzung mit dem besonderen Saft das Immunsystem die Empfängers auch dann fordert, wenn Blutgruppe und weitere Details stimmen.

Helmut Munkel von der Endo-Klinik in Hamburg, die sich auf den Einsatz neuer Gelenke spezialisiert hat, sagt seinen Patienten sogar: „Wenn sich der Körper nicht mit fremdem Blut auseinander setzen muss, kann er sich besser auf die Einheilung der Prothese konzentrieren.“ Die vorbeugende Selbstspende kommt jedoch nur für Patienten in Frage, die nicht schon unter Blutarmut und Schwäche leiden.

An einigen Krankenhäusern wächst inzwischen das Bewusstsein dafür, das man sich auf das Blutsparen im Operationssaal konzentrieren sollte, auch wenn sichere Blutkonserven als Reserve da sind. „Wir achten seit einiger Zeit sehr bewusst auf dieses Thema“, sagt Reiner Kunz, Chirurg am Berliner St. Joseph Krankenhaus. Oft ist den Operateuren nämlich gar nicht bewusst, wie viel Blut während eines Eingriffs oder – ihren Blicken noch mehr entzogen – danach verloren geht. Die zum Teil altbekannten Tricks, mit denen das vermieden werden kann, reichen von richtiger Lagerung, Senkung des Blutdrucks, speziellen Blutstiltechniken bis zur Blutverdünnung und zu Systemen, mit denen verlorenes Blut oder dessen Bestandteile schon während der Operation zurückgegeben werden können.

Die Bibel als Argument

Erythropoetin, das als Dopingmittel bekannt geworden ist, kann die Bildung der roten Blutkörperchen schon vor der Operation anregen. Das gentechnisch hergestellte Hormon ist jedoch mit 4500 bis knapp 7000 Euro Behandlungskosten für acht Wochen ausgesprochen teuer, und es ist, wie Thomas Held von der Robert Rössle Klinik in Buch zu bedenken gab, längst nicht das Wundermittel, das alle Patienten vor Blutarmut schützen könnte.

Größere Wirkung könnte möglicherweise die Erkenntnis bringen, dass bei Patienten mit gesundem Herz und Kreislauf gar nicht so schnell zur Blutkonserve gegriffen werden muss. Dass der Hämoglobinwert (siehe Kasten) zumindest für kurze Zeit niedriger sein darf, als bisher gedacht, weiß man zum Beispiel durch klinische Daten von Zeugen Jehovas. Die Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft lehnen Bluttransfusionen ab, weil an verschiedenen Stellen des Alten und Neuen Testaments das Verbot ausgesprochen wird, Blut zu sich zu nehmen: Einige überlebten trotz großer Blutverluste.

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