Gesundheit : Brücken bauen als Führungskraft

Heiko Schwarzburger

Wirtschaftsingenieure üben den Spagat zwischen Kaufleuten und TechnikernHeiko Schwarzburger

Buchhalter haben ein erotisches Verhältnis zu Zahlen. Sie wollen große bei den Gewinnen und kleine bei den Kosten. Das bringt sie in den Clinch mit den Technikern, die ihre Babies, sprich: Produkte, immer besonders schön und aufwendig gestalten wollen. "Die Wirtschaftsingenieure bauen zwischen beiden eine Brücke", erklärt Helmut Baumgarten von der Technischen Universität Berlin. Der Logistiker ist Direktor des Instituts für Technologie und Management. "Sie moderieren Projektteams und müssen immer den ganzen Prozeß im Auge haben. Dazu gehören Führungsqualitäten."

Helmut Baumgarten gilt als Mentor des Studienganges Wirtschaftsingenieurwesen, den die TU bundesweit als erste einführte. Viele deutsche Hochschulen haben das Erfolgsmodell mittlerweile übernommen. "Der Wirtschaftsingenieur ist ein Querschnittsdenker, der in der Planung, Organisation, Logistik, Produktion sowie im Einkauf und Vertrieb zu Hause sein kann." Die TU immatrikuliert in jedem Jahr 360 Studenten. Die Zahl der Bewerber liegt zwischen 700 und 800, mit einer Abiturdurchschnittsnote schlechter als Zwei bleibt da wenig Hoffnung. Das Studium ist auf fünf Jahre angelegt, die meisten Studenten brauchen ein Jahr länger. "Wirtschaftsingenieurwesen ist ein interdisziplinäres Studium, in dem der Student verschiedenste Fächer aus den Ingenieurwissenschaften, den Wirtschaftswissenschaften und der Informatik studiert." Die künftigen Wirtschaftsingenieure der TU kommen je zur Hälfte aus der Region und aus den westlichen Bundesländern. Doch vor der Karriere wird erst einmal gepaukt: "Es ist ein sehr arbeitsintensives und aufwendiges Studium", meint Helmut Baumgarten. "Die Studenten müssen sich gleichzeitig Mechanik, Mathematik, Finanzierung, Marketing und Datenverarbeitung aneignen. Aber man kann dieses Studium besser meistern, wenn man sich mit anderen Kommilitonen zusammenfindet. Das fördert den Teamgeist und die soziale Kompetenz." Um den Stoff näher an die Praxis zu holen, halten Spitzenmamanger von Siemens, Bertelsmann oder DaimlerChrysler regelmäßig Vorlesungen. Rund siebzig Prozent der Diplomarbeiten schreiben die künftigen Wirtschaftsingenieure in Firmen, darunter auch BMW, BASF, Herlitz, Lufthansa oder Volkswagen.

Mehr als die Hälfte aller Wirtschaftsingenieure arbeitet in der Industrie, ein Fünftel in Beratungsfirmen. Wirtschaftsingenieure werden in Berlin auch an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Karlshorst ausgebildet, die sich auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen orientiert, auf die selbstständigen Wirtschaftsprofis mit technischem Verständnis. Im Studienschwerpunkt Betriebsorganisation machen sich die Studenten mit rationellen Prozessen und leistungsfähigen Strukturen in Industriebetrieben vertraut. Im Schwerpunkt Controlling geht es in erster Linie um Kostenanalysen, um Rentabilität und Wirtschaftlichkeit. Im Unterschied zur TU dauert das Studium an der FHTW nur vier Jahre. Die Absolventen gehen vor allem in das mittlere Management.

Ein ganzes Spektrum für Studien für Wirtschaftsingenieure bietet die Technischen Fachhochschule (TFH) in Wedding an. Dort können Diplomingenieure klassischer Technikfächer in einem Aufbaustudium zusätzliche betriebswirtschaftliche Kenntnisse erhalten, entweder am Tag (vier Semester) oder abends (sechs Semester). Seit über einem Jahr bietet die Hochschule einen achtsemestrigen Vollzeitstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an. "Unsere Hochschule hat über einhundert ausländische Kooperationen", erzählt Reinhard Thümer, Vizepräsident der TFH. "Das Studium bei uns ist ganz klar international ausgerichtet, vor allem nach China, Korea und Japan. Die ganze Industrie orientiert sich dahin." Ein Fünftel aller Lehrveranstaltungen sind für Sprachen und fremde Kulturen reserviert. Die TFH hat auch den Zuschlag bekommen, diesen Studiengang im Rahmen der "Virtuellen Hochschule" aufzubauen. In Kürze werden erstmals internationale Abschlüsse als Master möglich sein.Informationen über Studienmöglichkeiten erteilt auch der Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure, VWI-Geschäftsstelle, Hardenbergstraße 4-5, 10623 Berlin, Telefon 313 94 44.

TU Berlin: Prof. Dr. Helmut Baumgarten, Hardenbergstr. 4-5, 10623 Berlin, Tel.: 314-22877, Fax: 314-25992

FHTW: Dr. Horst Harwarth, Treskowallee 8, 10318 Berlin, Tel.: 5019-2407

TFH: Prof. Dr. Otto-Ernst Heiserich, Luxemburger Str. 10, 13353 Berlin, Tel.: 4504-2712

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