Gesundheit : Campus-Wettbewerb Rhetorik: Dackelpaare im rosa Jäckchen

Sehr verehrter Herr Präsident, verehrte Mitglieder des Vorstands, liebe Gäste!

Ich darf Sie heute an diesem ganz besonderen Tag - der 100-Jahr-Feier unseres geliebten Dackelzüchtervereins "Zottelfrei e.V." - ganz herzlich begrüßen.

Zum Thema Online Spezial:
Der Tagesspiegel-Rhetorikwettbewerb Lassen Sie mich mit einem Rückblick auf ein Jahrhundert erfolgreicher "Zottelfrei"-Geschichte beginnen. Der Dackel als treuer Weggefährte des Menschen ist bisweilen geprägt von so mancher Höhe und nicht selten auch Tiefe im Leben seines Halters. Eingedenk unseres seligen Begründers Hans "Canis" Germanicus war es dem Verein stets ein Anliegen, diesem Begleiter zu einem widerstandsfähigen, zu einem glänzenden und charakteristischen, kurz zu einem zottelfreien Fell zu verhelfen. Es war kein Geringerer als unser Vereinsvater Hans Germanicus, der die deutsche Dackelzucht initiierte. Noch lange bevor er zum Hofzüchter des Kaisers bestellt worden war, gelang es ihm erstmals im Jahre 1906, den genetischen Grundstein für eine neue Dackelrasse - den Königsdackel - zu legen. Unter noch unwürdigen Laborbedingungen brachte er es in einer Scheune im oberbayerischen Hundham fertig, die Reinheit eines Schneekaninchenfells mit dem Glanze eines Rotbären und der Anspruchslosigkeit eines Zwergbibers zu verbinden. Weiß Gott, muss das ein Zeugungsakt gewesen sein! Und so schuf er ihn, den Dackel ex machina, den Ur-Ahn unserer Königsdackel: "Wastl Florenzo den Ersten"!

Wir können es uns aber nicht erlauben, nur auf die Erfolge unserer Vergangenheit zurückzuschauen. Nein, vielmehr müssen wir unseren Blick auf die Zukunft des Dackels in der Gesellschaft richten!

Unsere Ziele sind:

Erstens: Die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Dackelpaare durch die Ratifikation der Pink-Dog-Papers

Zweitens: Die Umformung des Vereins in eine Aktiengesellschaft

Und drittens: Das Klonen von Dackeln

Zunächst ein paar Worte über die Pink-Dog-Bewegung. Ohne das Engagement dieser Gruppe schwuler Hunde wäre es niemals möglich gewesen, die Öffentlichkeit auf die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Dackelpaare aufmerksam zu machen. Ich weiß, meine Damen und Herren, dass dieser Punkt dem konservativen Flügel unseres Vereins schwer zu schaffen macht. Schließlich können nur heterosexuelle Dackelpaare Nachkommen zur Welt bringen und die Ahnenreihe unserer Königsdackel aufrecht erhalten. Wir können und dürfen aber nicht die Augen davor verschließen, dass es in jeder Dackelgemeinde - und so auch in der unseren - Homosexuelle gibt, und das ist auch gut so. Darunter finden sich sogar einige der prächtigsten Exemplare. Es ist falsch, diesen Dackeln ihre gesellschaftliche Akzeptanz zu versagen, nur weil sie sich im Winter gerne in rosafarbene Jäckchen hüllen. Für eine Diskriminierung gibt und gab es niemals einen plausiblen Grund.

Ein weiteres Ziel unseres Vereins ist die bereits von langer Hand vorbereitete Umformung in eine Aktiengesellschaft. Nur durch einen baldigen Kapitalzufluss sind wir als Züchter von "Zottelfrei" in der Lage, den hohen Standard unserer Zuchtdackel aufrecht zu erhalten. Die internationale Konkurrenz bedroht unser Unternehmen mit herzlosen Dumping-Dackeln aus Billiglohnländern. Ihre Schlappohren wirken wie angeklebt. Ich bin voller Zuversicht, dass unser Vorstand den Aktienkurs der neuen Zottelfrei-AG mit ruhiger Hand an die Spitze des Nemax steuern wird.

Schließen möchte ich mit einer Anmerkung über den kontroversen Punkt des Dackelklonens. Stellen Sie sich doch einmal vor, es wäre möglich, aus einer einzigen Strähne des zwischenzeitlich mumifizierten "Wastl Florenzo" dessen Ebenbild zum Leben zu erwecken! Was das für die Gewinnprognose und die künftigen Anleger bedeutet, muss ich Ihnen wohl nicht erklären. Meine Damen und Herren, dies ist eine Chance, das zottelfreie Fell unserer Dackel unvergänglich zu machen.

In diesem Sinne lassen Sie uns anstimmen zu einem dreifachen Dackel-Hoch!!! Dackel-Hoch!!! Dackel-Hoch!!!

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