Gesundheit : Das Geheimnis der Diplomatie

Wer in den auswärtigen Dienst will, muss viele Tests bestehen. Ein Seminar an der Freien Universität Berlin bereitet darauf vor

Jan-Oliver Schütz

Was in New York die UNO, ist in Berlin das Auswärtige Amt: ein Riesenbau am Werderschen Markt in Mitte, verglastes Foyer, grünlicher Granit auf dem Boden. Sicherheitspersonal überprüft die Personalien. Hinter diesen Mauern wird die deutsche Außenpolitik gemacht. Wer hier arbeiten will, muss sich schon sehr anstrengen. Der Bewerbungstest für die diplomatische Laufbahn gilt als einer der härtesten überhaupt. Wer sich im nächsten Jahr bewerben will, sollte jetzt anfangen, sich darauf vorzubereiten.

Zuletzt gab es über 2000 Bewerber für den höheren Dienst, etwa 45 von ihnen werden genommen. Der Test ist in drei Stufen gegliedert. Eine Vorauswahl findet bei einem Multiple-Choice-Test statt: Allgemeinwissen, Politik, Geschichte, Ökonomie, Recht. Für jene, die sich darin bewährt haben, geht es mit einer schriftlichen Prüfung weiter: Englisch, Französisch oder eine andere UNO-Sprache, ein Aufsatz zu einem Thema aus der Politik, nochmals Fragen zum Allgemeinwissen. Darauf folgt ein mündlicher Test: Auswahlgespräch, Gruppenarbeit, Kurzreferat, psychologischer Test. Ein intellektueller Marathon, den nur Genies schaffen? Man kann sich helfen lassen: Die Freie Universität Berlin bietet im Wintersemester einen Kurs an, der auf die Auswahlprozedur vorbereitet.

Wer die Tests besteht, macht eine einjährige Attaché-Ausbildung. Seminare vertiefen Themen wie Wirtschaftsförderung, auswärtige Kulturpolitik und Entwicklungszusammenarbeit. Gute Karten haben jene, die wichtige und schwierige Sprachen sprechen: Japanisch, Chinesisch, Arabisch. Ebenso von Vorteil sind Auslands- und Berufserfahrung. Voraussetzung für die Bewerbung ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Die Ausbildung hört auch nach der Einstellung nicht auf: Das Auswärtige Amt bereitet seine Diplomaten auf Auslandsaufenthalte fachlich vor. In den Ländern sollen sie zudem die jeweilige Sprache lernen.

Wilfried Bolewski hat den Test bestanden, schon lange. Seit etlichen Jahren ist der promovierte Jurist im diplomatischen Dienst. Mittlerweile ist er stellvertretender Chef des Protokolls. Er organisiert die Reisen von Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Ausland. Seine Laufbahn mag man sich als junger Diplomatenanwärter wünschen: Jura-Studium an der Freien Universität, 21 Auslandsjahre, neun Posten auf allen Kontinenten, Mehrfach-Botschafter in der Karibik, zwischendurch immer wieder in Deutschland. Wenn der Bundeskanzler eine Reise machen will, geht Bolewski auf „Vorausreise“. Mit den Gastgebern handelt er das Programm aus.

„Weltoffenheit, weltweite Flexibilität und Freude am Menschenkontakt“, mahnt Bolewski bei Interessenten für den auswärtigen Dienst an. Fachlich seien Generalisten gefragt, die sich präzise ausdrücken können, Eigeninitiative zeigen, belastbar, kontaktfähig und entscheidungsfreudig sind. Im Dreijahresturnus geht es auf Missionen. „Da muss man sich voll in das jeweilige Land integrieren, um als Gesprächspartner akzeptiert zu werden. Es muss für diese Zeit zum Lebensinhalt werden. Das ist anders als Urlaub“, sagt Bolewski.

Das Vorbereitungsseminar an der Freien Universität haben der Dekan des Otto-Suhr-Instituts (OSI), Thomas Risse, und die Koordinatorin für Internationale Dienste, Sachka Stefanova, initiiert – unterstützt vom Auswärtigen Amt. Im letzten Semester hielten hochkarätige Diplomaten Vorträge über die Aufgabenfelder des Auswärtigen Amts; den Abschluss bildete ein Test in enger Anlehnung an die offizielle Prozedur.

Auch in diesem Semester gibt es wieder ein solches Programm. Wilfried Bolewski wird das Seminar zum Thema „Diplomatie und Protokoll“ leiten. Es richtet sich an Studierende der Fachbereiche Politik- und Rechtswissenschaften der FU. Im Mittelpunkt stehen Ziele, Akteure, Instrumente, Formen und Verfahren der Diplomatie und des Protokolls. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Interessenten müssen das Grundstudium abgeschlossen haben oder einen B.A.-Abschluss haben, zudem müssen sie ein Motivationsschreiben an das Büro für Internationale Dienste am OSI schicken.

Das OSI-Seminar beginnt am 21. Oktober. Informationen gibt es bei der Koordinationsstelle für Internationale Dienste, Sachka Stefanova, Telefon 030/838 55528, Email: stefanov@zedat.fu-berlin.de

Das Auswärtige Amt nimmt vom 1. Mai bis 30. Juni jeden Jahres Bewerbungen an – nur in elektronischer Form.

Informationen im Internet:

www.auswaertiges-amt.de

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