Gesundheit : Das gerettete Gedächtnis Max-Herrmann-Preis für K. G. Saur

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In Büchern und Bibliotheken werden Erinnerungen bewahrt – auch die schrecklichen. Am 70. Jahrestag der Bücherverbrennung wurde jetzt in Berlin ein Verleger geehrt, der sich dieser Aufgabe verschrieben hat. Klaus Gerhard Saur, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten zahlreiche Nachschlagewerke und Quellensammlungen zum Nationalsozialismus, zum Widerstand, zum Exil sowie zum Judentum herausgab, erhielt in der Staatsbibliothek zu Berlin den MaxHerrmann-Preis. Vergeben wird der an den großen deutschen Literatur- und Theaterwissenschaftler Max Hermann erinnernde Preis von den Freunden der Staatsbibliothek. Herrmann lehrte an der Berliner Universität und wurde 1942 im KZ Theresienstadt ermordet.

In Anwesenheit von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und dessen Gattin dankte der ehemalige Generaldirektor der Staatsbibliothek, Antonius Jammers, in seiner Laudatio K. G. Saur für seinen „Einsatz beim beharrlichen Rekonstruieren unseres verschütteten Gedächtnisses“. Der Verleger sorge dafür, dass die „Regale von Micha Ullmann nicht mehr leer“ seien, sagte Jammers. Er kritisierte zugleich die Umbauung des von Ullmann gestalteten Bücherverbrennungs-Denkmals mit einer Tiefgarage. Der Künstler hat 1995 eine leere Bibliothek in den Boden des Bebelplatzes eingelassen.

Der Verleger erklärte in seiner Dankesrede persönliche Beweggründe seiner Arbeit zur NS-Geschichte. Aufgewachsen als Sohn eines ranghohen Nazis – Saurs Vater war Amtschef des Rüstungsministeriums – versuche er „etwas gut zu machen“. Als Preis erhielt Saur den Nachdruck der Berliner Psalmenübersetzung Moses Mendelssohns. -ry

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