Gesundheit : Das Gerüst des Lebens

Das Skelett gibt uns Halt. Wie man dafür sorgt, dass es stabil bleibt

Adelheid Müller-Lissner

Knochen haben ein schlechtes Image. „Verknöchert“ nennen wir Menschen, die sich nicht verändern. Weil es das Gebein ist, das bleibt: Der Totenschädel, der in der christlichen Kunst immer wieder verwendet wurde, um den Menschen an seine Sterblichkeit zu erinnern, das Skelett, das im Biologiesaal die Schüler erschreckt.

Die Hälfte der im Schnitt sieben Kilo schweren Substanz unseres Skeletts besteht aus Kalksalzen. Doch Knochen sind weit mehr als totes Material. Sie sind gut durchblutet, bestehen zu einem Drittel aus zugfesten Kollagenfasern und bieten in ihrem Inneren Platz für das blutbildende Knochenmark. Zwei Zelltypen arbeiten in der Baustelle Knochen unermüdlich: Den Aufbau neuer Knochensubstanz bewerkstelligen die Osteoblasten, für ihren Abbau sorgen die Gegenspieler namens Osteoklasten.

Starke Knochen brauchen Kalzium, das Skelett ist das wichtigste Depot, das dem Menschen für dieses Mineral zur Verfügung steht. Die Milch allein macht’s allerdings nicht. Unsere Knochen sind ebenso sehr auf Muskeln angewiesen (siehe auch Text rechts). Denn die knochenbildenden Osteoblasten widmen sich ihrer Anbau-Aufgabe nur, wenn die nötigen Signale dafür bei ihnen eingehen. Und die Signale kommen von der Belastung. „Nur ein mechanisch belasteter Knochen erhält seine Knochenmasse“, sagt der Knochenforscher Dieter Felsenberg, der am Campus Benjamin Franklin der Berliner Charité das Zentrum für Knochen- und Muskelforschung leitet.

Das zeigte sich zum Beispiel, als vor einigen Jahren junge, kräftige Männer für eine Studie der Uni Toulouse drei Monate im Bett verbrachten. Die Mediziner, die sie betreuten, wollten den Zustand der Schwerelosigkeit nachahmen, dem Menschen im Weltall ausgesetzt sind. Das Ergebnis: Die Versuchspersonen büßten nicht allein Muskelmasse ein. Auch die Knochen verloren an Substanz. Aus eigener Erfahrung kennt das jeder, der einige Wochen zur Unbeweglichkeit verurteilt war, weil ein Bein oder ein Arm nach einem Knochenbruch im Gips lagen.

Denn unsere Knochen richten sich nach den Anforderungen. Wer in Kindheit und Jugend durch Sport und Bewegung Ansprüche an sie kundtut, erreicht im jungen Erwachsenenalter die maximale Knochendichte – gewissermaßen der höchste Knochenkontostand. Wir zahlen im Lauf des Lebens zwar weiter auf das Knochenkonto ein, heben aber, vor allem im höheren Lebensalter und unter dem Einfluss bestimmter Medikamente, leider noch etwas fleißiger ab.

Ausdauersport und auch Beweglichkeit allein genügen jedoch nicht, um das Konto aufzufüllen. Denn die Knochen brauchen es, dass Spitzenkräfte auf sie einwirken. Deshalb ist Krafttraining geeignet, um Rückenleiden vorzubeugen. „Man muss dazu aber nicht Bodybuilder oder Gewichtheber werden“, versichert Volkmar Feldt, Leiter des Sportbereichs im Sport-Gesundheitspark Berlin.

Schon einfache, aber regelmäßige Übungen für die Bauch- und Rückenmuskulatur sind hilfreich. „Eine solche regelmäßige Funktionsgymnastik ist so wichtig wie das Zähneputzen“ (Tipps dazu unter Tel 030-897917-0 oder www. sport-gesundheitspark.de). Mit zunehmendem Alter werden auch Übungen wichtig, die die Koordinationsfähigkeit fördern.

Knochen- und Knorpelgewebe stellen darüber hinaus das Grundgerüst unseres Erscheinungsbildes dar. Man denke nur an die Kopfform, Wangenknochen und Nase. Von wegen tote Materie. „Die Knochen behandle ich als einen Text, woran sich alles Leben und alles Menschliche anhängen lässt“, schrieb Goethe.

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