Gesundheit : Das Lob des Spätzünders (Glosse)

Thomas de Padova

Wissenschaftler müsste man sein, am besten in der Klimaforschung! Wäre das ein Leben! Wer sich etwa als Klimaforscher ein Jahr lang an den Strand legt und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lässt, der kommt mit seiner Arbeit trotzdem schneller voran als der Kollege, der Abend für Abend im Institut am Schreibtisch sitzt und den Supercomputer zum Auswurf neuer Daten anfacht. Selbst dann, wenn auch beim dritten Cocktail im Liegestuhl noch kein genialer Gedanke plötzlich hell aufleuchet, was ja - Prost! - gelegentlich vorkommen soll.

Nein, Klimaforscher sind auf derartige Geistesblitze nicht angewiesen. Sie gehören zu jener anscheinend seltenen Spezies Mensch, für die sich ausgiebiges, ungetrübtes Faulenzen noch so richtig lohnt. Und das liegt an der modernen Technik, mit der sie arbeiten, genauer gesagt: an den teuflisch schnellen Rechnern.

Schaltet der verblendete, arbeitsbesessene Kollege zum Beispiel seinen Supercomputer ein, um die Klimaentwicklung der nächsten Jahrzehnte zu kalkulieren, was mit seiner modernsten Anlage genau 41 Monate und sechs Tage dauern wird, dann hat er sein Geld schlecht angelegt und das Rennen schon verloren. Denn der pfiffige Sonnyboy beginnt ein Jahr später. Er kauft sich den nunmehr besten Computer, ein viel schnelles Ding. Dann legt er sich gut erholt ins Zeug, wird exakt drei Monate und sieben Tage eher mit der Klimaberechnung fertig und fährt den Ruhm für die erste Publikation ein.

Das es sich genau so abspielen könnte, belegt ein simples mathematisches Modell, mit dem eine Forschergruppe vom Stuart Observatory der Universität von Arizona nun für mehr Muße wirbt. Demzufolge ist es nicht sinnvoll, mit einer Computerrechnung sofort zu beginnen, die auf der modernsten Hardware länger als 26 Monate in Anspruch nehmen würde.

Grundlage für die Studie ist das "Moorsche Gesetz", das die ständige steigende Leistungsfähigkeit von Computern in eine einfache Formel fasst. Es lässt die Haut der Klimaforscher goldbraun anlaufen. Für unsereins ist das "Moorsche Gesetz" allerdings völlig irrelevant. Unsereins konfrontiert stattdessen ein anderes Gesetz immer wieder mit der harten Arbeitsrealität: "Murphys Gesetz." Und das hat mit Sonnenbaden nichts zu tun. Es besagt allenfalls, dass der braun gebrannte, mit Butter und Marmelade liebevoll beschmierte Toast auf die falsche Seite fällt, wenn er fällt. In unserem hektischen Arbeitsalltag kommt das leider immer wieder vor.

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