Gesundheit : Das Regieren lernen

Die Humboldt-Viadrina School of Governance sucht Sponsoren

Dorothee Nolte

Heute geht es los. Die neue „Humboldt Viadrina School of Governance“ tritt ins Leben: allerdings noch nicht mit ersten Lehrveranstaltungen, sondern mit einem „Grundkonsensgespräch“, zu dem Gesine Schwan Funktionsträger aus allen Bereichen der Gesellschaft eingeladen hat. Gesine Schwan möchte mit dieser Tagung im Deutschen Historischen Museum wahrmachen, was sie in ihrer Zeit als Präsidentschaftskandidatin versprochen hat: Mitglieder der Eliten aus Wirtschaft, Politik, Medien und Kirchen in eine Diskussion über gemeinsame Werte zu bringen. „Politik darf nicht nur das Taktieren um den eigenen Machterhalt sein“, so Schwan. „Wir brauchen einen Grundbestand an gemeinsamen Zielen.“ Nur so lasse sich das Vertrauen der Bevölkerung in die Eliten wiedergewinnen.

Darum geht es letztlich auch bei der geplanten „Humboldt Viadrina School of Governance“: Wer gut ausgebildet ist, kann hoffentlich auch verantwortungsvoll regieren. Bereits Ende 2003 hatten Gesine Schwan, Präsidentin der Europa Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, und Jürgen Mlynek, Präsident der Humboldt-Universität, das Konzept einer gemeinsamen School of Governance vorgestellt: eine Ausbildungsstätte, in der zunächst 25, später bis zu 200 Hochschulabsolventen mit Berufserfahrung einen „Master of Public Policy“ erwerben können, gegen Gebühren von rund 17000 Euro für anderthalb bis zwei Jahre, praxisorientiert und multidisziplinär.

Die School of Governance soll also, so betont Schwan, keine Neuauflage eines traditionellen politikwissenschaftlichen Studiengangs bieten. Sie ist vielmehr an angelsächischen „Schools of Governance“ orientiert und will eine Ausbildungsstätte für Führungskräfte aus allen Bereichen sein, die mit Politik und Regieren zu tun haben: von Kommunen über Wirtschaftsunternehmen und Nicht-Regierungsorganisationen bis hin zu den klassischen Politikfeldern in Regierung und Opposition.

Ob der Lehrbetrieb allerdings wie geplant im Herbst beginnen kann, ist noch nicht sicher. Denn: Mit den Sponsoren, die bereits im Boot waren, hat sich das Gründungsteam um Schwan, Mlynek und die Professoren Stephan Breidenbach (Viadrina) und Christoph Kirchner (HU) überworfen. Die Geldgeber – nicht namentlich genannte „Privatleute mit wirtschaftlichem Hintergrund“ – hätten sich in die inhaltliche Ausrichtung einmischen wollen, daher habe man die Zusammenarbeit beendet. Es gebe aber vielversprechende Kontakte zu neuen Sponsoren und Summen „im sechsstelligen Bereich“. Ohne Sponsoren ist das Unternehmen zum Scheitern verurteilt: Denn aus den Universitätsmitteln lässt sich eine solche Neugründung – angestrebt sind bis zu sechs Stiftungsprofessuren – nicht finanzieren. „Das könnten wir denen, die weggespart werden, nicht vermitteln“, so Jürgen Mlynek.

Da ist die ebenfalls in Gründung befindliche private „Hertie School of Governance“, die im ehemaligen Staatsratsgebäude entsteht, mit einer Anschubfinanzierung von rund 25 Millionen Euro sehr viel komfortabler ausgestattet. „Dafür bieten wir das stimulierende Umfeld zweier Universitäten“, hält Jürgen Mlynek dagegen – damit könne man hochkarätige Wissenschaftler und Studenten eher locken. Stephan Breidenbach ergänzt: „Es ist Platz für mehr als zwei Governance Schools in Deutschland“.

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