Gesundheit : Das schnellste Eis der Welt

Helen Pearson

"Unser Ziel war es, das schnellste Eis der Welt zu machen", sagt David Brums, Chefarchitekt der neuen Eishalle "Utah Olympic Oval" in Salt Lake City. Zweieinhalb Jahre hat man für den Bau der Halle gebraucht, ein weiteres Jahr verwendete man auf den Feinschliff - an jedem Detail wurde minutiös gearbeitet, um das Eis dieser Halle schneller zu machen als das der fünf anderen Olympischen Eishallen.

Eisschnellläufer erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde, und schon die geringsten Veränderungen beispielsweise in der Härte des Eises können einen Schlittschuh bremsen.

Die 400 Meter lange runde Bahn gleicht einem horizontalen, handgemachten Eisschrank. Dabei wurde ein 48 Kilometer langes Netzwerk von Gefrierrohren unter eine Betonplatte angebracht. Als Kühlflüssigkeit nahm man Salzwasser.Denn Salzlösungensche können bis unter den Gefrierpunkt von Wasser gekühlt werden.

Allein die Auswahl des Materialgemisches für eine optimal glatte Betonplatte beschäftigte die Architekten ein ganzes Jahr lang. Man benutzte schließlich so wenig Wasser wie mö glich. Damit kann vermieden werden, dass sich winzige Spalten bilden, wenn die Mischung aus Sand und Zement trocknet.

Die nächste Herausforderung war die Eisschicht selbst. Dazu sprühte man per Hand zwölf bis 16 dünne Wasserschichten über die Platte, so dass eine Schicht von insgesamt rund zwei Zentimetern entstand. "Ein bisschen machten wir das wie der Gärtner mit dem Gartenschlauch", scherzt Brums. Dem Wasser hatte man zuvor die Ionen entzogen, um zu verhindern, dass gelöste Mineralien die Gefriertemperatur verändern.

Wer sich der Halle nähert, dem dürfte als erstes die ungewöhliche Bauart auffallen. Die Kabelaufhängung wurde nach außen verlagert, wodurch man den Raum in der Arena verringern konnte. Das wiederum erleichtert die Kontrolle von Feuchtigkeit und Lufttemperatur. Mit 13 Grad ist es gerade warm genug für die Muskeln der Athleten und kühl genug, um das Eis nicht zum Schmelzen zu bringen. Die Luft wird außerdem gefiltert. "Das alles gibt uns eine Hundertstel Sekunde Zeitvorsprung", sagt Brums. Ein Hunderstel, das für einen Rekord entscheidend sein könnte.

Tatsächlich konnten im März letzten Jahres - kurz nachdem die Halle eröffnet war - bei der Eisschnellauf-Weltmeisterschaft gleich fünf Weltrekorde gefeiert werden. Das war erst der Anfang, meint Brums. Auf der jetzigen Olympiade - so erwartet wohl nicht nur er - dürfte auf dem schnelle Eis ein Weltrekord nach dem anderen purzeln.

"Das" perfekte Eis gibt es allerdings nicht. Sprinter brauchen eine weichere Oberfläche mit mehr Griffigkeit, um sich vom Eis gut abstoßen zu können. Für längere Distanzen hingegen eignet sich eher eine härtere Oberfläche, auf der sich besser gleiten lässt. Vor jedem Rennen werden deshalb über Nacht die Eigenschaften des Eises verändert.

In Salt Lake City hilft den Läufern aber nicht nur das besonders schnelle Eis, Rekorde zu brechen. Auch die Luft in 1425 Metern Höhe leistet weniger Widerstand. Allerdings kann dieser Vorteil bei größeren Distanzen auch nachteilig werden, da die Läufer bei dünner Luft schneller außer Atem geraten.

Und nicht zuletzt macht auch ein innovativer Schlittschuh schneller. Schon bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Japan erregte ein neuartiger Schuh - Modell K2 - Aufsehen, dessen Kufen nicht fest, sondern beweglich sind. Dadurch bleibt das Metall länger in Kontakt mit dem Eis. "Es hat den Sport revolutioniert", schwärmt Produktmanager Dean Burke.

Die deutsche Mannschaft ist bereits mit der neuen Generation der flexiblen Schuhe ausgerüstet (K2 MOD X Pro). Sie sind besonders leicht und wiegen gerade mal 295 Gramm. Die flexible Kufe wird dabei dem individuellen Schwung des Läufers angepasst. Die Innovation werde den Eisschnellläufern vollends Geschwindigkeit verleihen, sagt Burke. Außerdem sei das silberne und schwarze Design "ziemlich heiß".

Autoren des internationalen Wissernschaftsmagazins "Nature" schreiben regelmä ßig für den Tagesspiegel. Aus dem Englischen von Bas Kast.

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