Gesundheit : Das Semester beginnt: Das kleine Who-is-who der Uni

Die Schwierigkeiten des Uni-Alltags beginnen für die meisten Erstsemester schon beim Erkennen der Lehrkraft: Der am Vorlesungspult mit dem wuschigen Haar und den Kreideflecken auf dem Wollpulli soll der Professor sein? Und wer sind die vielen anderen Menschen, die um ihn herumschwirren? Einen Kommilitonen vom wissenschaftlichen Mitarbeiter, den Professor vom Hausmeister zu unterscheiden, fällt dem ungeübten Erstsemester-Auge schwer. Um Verwechslungen zu vermeiden, haben wir einen alten Uni-Kenner um einen Schnellkurs in Sachen Hochschul-Personal gebeten: Manfred Prehm, der Welt einziger Uni-Hausmeister mit Ehrendoktorwürde, seit 33 Jahren an der Freien Universität im Einsatz, erzählt ganz subjektiv, wer wer im Uni-Staate ist.

Der Professor

"Im Vorlesungssaal ist die Unterscheidung ganz klar. Der Professor steht vorne, und die Studenten sitzen in der Reihe. An der Kleidung kann man Professoren aber nicht erkennen. Sie sind teilweise genauso salopp gekleidet wie ein Student. Es gibt in verschiedenen Fachbereichen sogar welche, wo man fragen kann: Was, das ist ein Professor? Der sieht ja aus wie ein - Penner, sag ich mal. Alles schon erlebt. Wir hatten mal einen, der hat um den Apfelbaum das ganze Fallobst gelegt. Dann sind wir mit dem Rasenmäher rübergefahren, und er hat sich aufgeregt. Ich habe ihm geraten: Bringen Sie Zucker mit, dann haben Sie Apfelmus. Wenn man sich allerdings mit Professoren unterhält, erkennt man sie sofort an der Aussprache. Die Formulierungen sind ja doch ganz anders als bei uns Kleinen. Etwas gewählter, teilweise mit Fremdwörter drin, wo ich erst im Duden nachgucken muss, was das sein soll. Viele Professoren machen sich aber nichts daraus, wenn man selber ganz normal quatscht."

Der wissenschaftliche Mitarbeiter

"Wissenschaftliche Mitarbeiter sind meistens eine Stunde eher in der Uni als der Professor. Das ist auch ganz gut so, denn sie können mir dann schon mal sagen, wo Lampen kaputt sind. Wenn ich dann komme, sitzen sie meistens schon vor dem Computer. Was sie da tun, weiß ich nicht genau, ich vermute den ganzen Schriftkram. Die haben ganz schön zu tun. Wenn Kongresse sind, machen sie die Vorarbeiten für ihren Professor. Das kann ein Professor ja gar nicht alles alleine machen. Wenn sie länger mit einem Professor zusammengearbeitet haben, werden sie ihrem Chef immer ähnlicher."

Die studentische Hilfskraft

Angestellt sind studentische Hilfskräfte zum Beispiel in der Bibliothek. Die ordern die neuen Karteikästen und katalogisieren die neuen Bücher. Die Hilfskräfte stehen auch oft auf dem Hof und sind natürlich nicht immer gleich so sauber. Da sitzen drei, vier Mann rum, dann liegt da eine Kippe nach der anderen auf dem Boden. Da stelle ich einen Aschenbecher hin, dann klappt das wunderbar. Ich glaube, studentische Hilfskräfte sind immer vier Stunden am Tag in der Uni, das sind wohl die 630-Mark-Jobs. Für einen Studenten ist das viel Geld. Woher soll er das sonst nehmen? Sonst müsste er einbrechen oder klauen gehen."

Die Sekretärin

"Die denken meistens, sie sind die Besten. Das gilt vor allem für die, die schon länger da sind, oder die vielleicht schon mal einen Professor ausgewechselt haben und trotzdem noch Sekretärin sind. Die fühlen sich so, als ob sie jeden kommandieren können, vor allem die Unteren wie uns Hausmeister. Ein gutes Beispiel sind die Sekretärinnen vom P..... (von der Redaktion unkenntlich gemacht, die Red.), für das ich ein Jahr lang zuständig war. Da musste ich hin, sobald drei Kippen vor der Tür lagen. Das ist schon schlimm. Aber es klappt natürlich nicht immer. Da darf man sich nicht die Butter von der Stulle nehmen lassen." (Anm. d. Red.: 90 Prozent der Sekretärinnen sind durchaus freundlich!)

Das technische Personal

"Das technische Personal, also Hausmeister wie ich, ist das einzige, das man an seiner Uniform erkennt. Schlosser tragen blaue Overalls, ich trage grün, weil ich Hausmeister und Gärtner bin. Die Handwerker sind die ersten, die in der Uni zu arbeiten anfangen. Heute ging es für mich schon um drei Uhr morgens los. Im Winter müssen wir den Schnee beseitigen, damit keiner hinfällt."

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