Gesundheit : Decubitus: Druckgeschwüre bei Verstorbenen

Rosemarie Stein

Erst rote Stellen, dann abschürfungsähnliche Hautschäden, schließlich tief eiternde Wunden, unter Umständen bis auf die Knochen: Ein großer Anteil insbesondere der Berliner leidet an Druckgeschwüren, auch Decubitus genannt. Gefährdet sind vor allem unbewegliche langfristig Bettlägerige und Rollstuhlfahrer. Am häufigsten liegen Altersgebrechliche auf Druckstellen. Zu den Risiken gehören Infektionen, Inkontinenz, Mangelernährung und starke Sedierung.

Eine Studie vom Rechtsmediziner Wolf-Gunther Troike, Rechtsmediziner am Berliner Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin, zusammen mit Volkmar Schneider, hat 1279 in Berlin Verstorbene untersucht (veröffentlicht in der Zeitschrift der Ärztekammer Berlin "Berliner Ärzte", Band 12 / 2000, Seite28). Das Landesinstitut hat unter anderem die Aufgabe, alle Toten, die in einem Berliner Krematorium verbrannt werden sollen, noch einmal zu begutachten. Bei 16,1 Prozent der Verstorbenen stellte man Druckgeschwüre fest, zur Hälfte sogar schweren Grades. Das sind rund fünf Prozent mehr als in Hamburg, wo vor kurzem in einer Studie an 10 222 Leichen 11,1 Prozent Zeichen von Decubitus aufgewiesen hatten.

Der Grund für den hohen Anteil in Berlin, so vermuten die Autoren, sei die schlechte personelle Ausstattung der Pflegeheime. Immer öfter beauftragt die Staatsanwaltschaft die Rechtsmediziner mit Gutachten zu Decubitusfällen. Daraus schließt Troike, dass Angehörige und Betroffe zunehmend Strafanzeigen wegen Fehlbehandlung oder Unterlassung erstatten. Denn strafrechtlich kann das "Aufliegen" als Körperverletzung geahndet werden.

Behandeln lässt sich Decubitus nur mit höchstem Aufwand und geringem Erfolg. Um so wichtiger ist Vorbeugung. In den meisten Fällen lasse er sich durch sorgfältige Pflege (alle zwei Stunden umlagern) und Spezialmatratzen verhüten, sagt Troike. Der Rechtsmediziner war vor dem Studium jahrelang als Pfleger tätig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar