Gesundheit : Demokratische Kontrolle: "Unwissensgesellschaft"

Bundespräsident Johannes Rau hat vor der Gefahr gewarnt, dass sich die Wissenschaft immer mehr der demokratischen Kontrolle entzieht. Das Grundgesetz wolle eine Gesellschaft, deren Bürger am entscheidenden Wissen teilhaben könnten, um darüber zu entscheiden, sagte Rau am Mittwoch in Berlin zum Auftakt des "Jahres der Lebenswissenschaften". Forschung werde immer spezialisierter und gewinne immer mehr praktische Bedeutung. Es bereite ihm Sorge, dass in vielen Feldern kaum noch jemand beurteilen könne, was dort wirklich geschehe.

Das dramatische Anwachsen des weltweiten Wissens führe im Umkehrschluss dazu, dass "aus der viel beschworenen Wissensgesellschaft" eine "Unwissensgesellschaft" werde, fügte Rau hinzu. Notwendig seien deshalb mehr Transparenz, ein guter Wissenschaftsjournalismus sowie Enquete-Kommissionen in den Parlamenten.

Der Bundespräsident äußerte sich zum Auftakt des vom Bundesforschungsministerium, dem Stifterverband der Deutschen Wissenschaft und den großen Forschungsorganisationen ausgerufenen "Jahres der Lebenswissenschaften". Bei neun Großveranstaltungen und zahlreichen weiteren Ereignissen wollen Wissenschaftler Projekte von der Gen- bis zur Hirnforschung präsentieren.

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