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26. bis 31.3.: Internationaler Kant-Kongress in de

Die alle fünf Jahre stattfindenden Internationalen Kant-Kongresse geben sich nach außen ganz und gar unprätentiös. Sie haben keine Aufmerksamkeit heischenden Oberthemen oder Titel, sondern werden schlicht durchnummeriert; einer wie der andere fügen sich so bescheiden ins Serielle. Die laufende Nummer IX trägt derjenige, den das Philosophische Institut der Humboldt Universität im Auftrag der Kant-Gesellschaft in der letzten März-Woche ausrichten wird. Wie seine Vorgänger es getan haben - und seine Nachfolger es tun werden - repräsentiert auch er die aktuelle internationale Kant-Forschung in ihrer ganzen Breite. In 18 Sektionen wird ein Fragenspektrum verhandelt, das von der Erkenntnistheorie und Logik über die Praktische Philosophie und die Naturphilosophie bis hin zur Ästhetik reicht.

Soweit die serielle Normalität. Eingebettet in sie ist freilich ein bemerkenswerter Schwerpunkt mit dem Motto "Kant und die Berliner Aufklärung". Die Veranstalter möchten damit auf die allenthalben gepflegte Rede von der "Berliner Republik" reagieren. Die ruft als erstes Erinnerungen an den wilhelminischen Militarismus und Autoritarismus wach. Dagegen soll, wie Professor Volker Gerhardt vom Organisationskomitee erläutert, an die andere preußische Traditionslinie erinnert werden, an die, die zu Kant, zur Aufklärung und zu den Preußischen Reformern führt. "Auch die Gründung der Humboldt Universität steht in dieser Linie und ist genau besehen nicht denkbar ohne Kants Schrift Über den Streit der Fakultäten." Diesem Motto wird eine Ausstellung in der Staatsbibliothek Rechnung tragen, die den Briefwechsel Kants mit seinen Berliner Gesprächspartnern, etwa dem Philosophen Moses Mendelssohn, zeigt. Yirmiyahu Yovel von der Universität Jerusalem wird sie mit einem Vortrag über Kant in der Deutschen und Jüdischen Aufklärung eröffnen.

Zu diesem Schwerpunkt gehören auch die Veranstaltungen, die die Politische Philosophie sowie das Rechts- und Staatsverständnis von Kant diskutieren: "Kant und das Problem der Sozialstaatsbegründung" (Wolfgang Kersting), "Was heißt: innere Rechtspflicht?" (Otfried Höffe) oder "Weltbürgerrecht und Kolonialismuskritik bei Kant" (Kari Väyrynen). Themen, bei den sich zuweilen höchst aktuelle Bezüge andeuten, etwa zum Moral-Haushalt von führenden Politikern, wenn Jens Timmermann referiert über "Kant und die Lüge aus Pflicht: Zur Auflösung moralischer Dilemmata".

Den Höhepunkt wird die Verleihung des Kant-Preises an Sir Peter Frederick Strawson bilden, eine Feierstunde im Konzerthaus am Gendarmenmarkt mit einem Festvortrag von Bundespräsident Johannes Rau. Strawson, der lange Jahre in Oxford lehrte, wird mit dem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Von der angelsächsischen sprachanalytischen Philosophie her kommend, behandelt er Kants Texte nicht als unantastbare Heiligtümer, sondern rezipierte sie in erfrischend unorthodoxer Weise. Der Kant-Preis wird erstmalig verliehen. Er wurde ausgelobt von der Zeit-Stiftung und wird gemeinsam mit einem Kant-Förderpreis vergeben.

Die Veranstalter erwarten 420 Philosophen, die sich mit Vorträgen und Referaten zu Wort melden werden, davon über 200 aus dem deutschsprachigen Raum, 150 aus den USA und immerhin 30 aus Osteuropa. Der IX. Internationale Kant-Kongress wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Zeit Stiftung sowie dem Schering Stifterverband der Deutschen Wissenschaft. GERWIN KLINGER26. bis 31.3.: Internationaler Kant-Kongress in der HUB / 28.3., 20.15 Uhr: Eröffnung der Kant-Ausstellung, Staatsbiliothek am Potsdamer Platz / 30.3., 19.30 Uhr: Verleihung des Kant-Preises mit einem Festvortrag von Bundespräsident Johannes Rau, Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Kongress-Büro: Institut für Philosophie der HUB, Unter den Linden 6, Berlin-Mitte / Eintritt: Gesamtkarte 90 (ermäßigt 45) Mark, Tageskarte 20 (10) Mark

Im Internet: www2.rz.hu-berlin.de/inside/phil/kantkongress

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