Gesundheit : Der dritte Mann

Ein Hamburger soll in Berlin Wissenschaftsstaatssekretär werden

Sabine Beikler,Anja Kühne

PDS-Wissenschaftssenator Thomas Flierl hat nach langem Suchen einen neuen Wissenschaftsstaatssekretär gefunden: Nach Tagesspiegel-Informationen soll der 53-jährige promovierte Historiker Hans-Gerhard Husung aus Hamburg neuer Wissenschaftsstaatssekretär in Berlin werden. Am Donnerstagabend hat sich bereits der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit Husung zu einem Gespräch getroffen, am kommenden Dienstag soll sich Husung in der Senatssitzung vorstellen. Es wird damit gerechnet, dass Wowereit zustimmt, zumal Husung ein SPD-Parteibuch hat. Und um einen zweiten „Fall Krausz“ auszuschließen, hat sich Flierl bereits die Personalakten schicken lassen und darin keine Hürden entdecken können. Wie mehrfach berichtet, konnte der im vergangenen Jahr schon vom Senat berufene Hamburger Psychiatrieprofessor Michael Krausz sein Amt nicht antreten, nachdem staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen ihn wegen Verdachts der Vorteilsnahme bekannt geworden waren.

Vor seiner Tätigkeit in der Hamburger Behörde war Husung von 2000 bis Ende Juni 2003 Präsident der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). Die mit 12 000 Studenten zweitgrößte Hochschule der Stadt kam 2001 in die öffentliche Diskussion: Nach den Terroranschlägen am 11. September wurde bekannt, dass ein Attentäter an der HAW studiert hat. Bevor er in Hamburg arbeitete, war Husung beim Wissenschaftsrat in Köln beschäftigt. Von 1990 bis 1995 war er Referatsleiter in der Geschäftsstelle – zunächst für Hochschulplanung, anschließend zuständig für Lehre, Studium und wissenschaftlichen Nachwuchs. Davor war er jeweils etwa fünf Jahre Research Fellow am Deutschen Historischen Institut London und von 1985 bis 1990 persönlicher Referent des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft in München. Als Präsident der HAW plädierte Husung für gleiche Gehälter von Fachhochschul- und Uni-Professoren und für eine leistungsorientierte Besoldung. Außerdem befürwortet er die reformierten Studiengänge Master und Bachelor. Der gebürtige Braunschweiger ist verheiratet und hat drei Kinder.

Nach Tagesspiegel-Informationen wurde Husung vom früheren Wissenschaftsstaatssekretär Peer Pasternack, dessen Doktorvater Michael Daxner von der Universität Oldenburg und vom Vorsitzenden des Wissenschaftsrates, Karl Max Einhäupl, empfohlen. Weil Entscheidungen über Studiengebühren beziehungsweise Studienkonten anstehen, hatte Flierl einen Staatssekretär gesucht, der keine lange Einarbeitungszeit braucht. Flierl hätte sicher lieber auf einen Kandidaten mit PDS-Parteibuch zurückgegriffen, doch fand der Wissenschaftssenator schlichtweg keine geeigneten Kandidaten.

Streit um Studiengebühren

Und ein potenzieller Kandidat aus der Berliner PDS fiel aus der Kandidatenrunde heraus: Benjamin Hoff. Hoff, wissenschafts- und wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus, liegt im Streit mit Flierl, weil er sein Studienkonten-Modell ablehnt. Hoff befürchtet, dass durch dieses Modell der Einstieg in Studiengebühren droht. Die PDS wird am 4. April auf einem Landesparteitag darüber abstimmen. Im Juli hatte Flierls damaliger Staatssekretär Peer Pasternack seinen Rücktritt angekündigt, weil er die Sparmaßnahmen des Senats im Hochschulbereich nicht mittragen wollte. Aber auch, weil er gegen Flierls Studienkonten ist.

So war der Senator monatelang ohne ein starkes Rückgrat – und das in hochschulpolitisch schweren Zeiten: Denn die Universitäten müssen bis zum Jahr 2009 zusammen 75 Millionen Euro einsparen. Immer wieder wurde Flierl vorgeworfen, dass er dafür keine Vorgaben im Interesse der Stadt gegeben habe. Nun wird der neue Staatssekretär die Abstimmung im Fächerangebot zwischen den Unis koordinieren müssen, wenn über die Hochschulverträge verhandelt wird. Eine andere große Aufgabe für Husung wird es sein, die Fusion der Berliner Uni-Medizin zu begleiten, bei der 98 Millionen Euro gespart werden müssen. Außerdem wird Husung sich um die wissenschaftlichen Institute kümmern müssen, die im Zuge der Bund-Länder-Entflechtung vor einer völligen Neuordnung stehen.

Über Husung heißt es, er habe Schwierigkeiten, im Team zu arbeiten. Monatelang gab es an seiner Hochschule Widerstand gegen seinen Führungsstil. Im Jahr 2001 traten zwei Vizepräsidentinnen zurück, weil sie mit Husung nicht zusammenarbeiten wollten. Im Mai 2002 überstand Husung knapp einen Abwahlantrag der Professoren. Husung wurde ein autoritärer Führungsstil zur Last gelegt. Im November 2002 trat Husung schließlich zurück. Er beklagte, die Uni würde Sachfragen personalisieren und Entscheidungen immer wieder vertagen.

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