DER OP-Kurs : So werden O-Beine operiert

Eine Operation an O-Beinen dauert 45 bis 90 Minuten und heißt "Osteotomie". Ihr Grundprinzip ist einfach, ihre technische Durchführung anspruchsvoll.

Björn Rosen

Unter O-Beinen haben besonders Fußballer zu leiden. Denn beim Kicken werden die Muskeln auf der Bein-Innenseite intensiv trainiert und dadurch kräftiger und kürzer als ihre Gegenspieler auf der Außenseite. Die Beine „verbiegen“ sich deshalb: Mediziner nennen das eine „Achsabweichung“ – weil Ober- und Unterschenkel nicht mehr gerade aufeinandersitzen.

„Das ist problematisch, denn durch die Fehlstellung wird der Teil des Kniegelenks auf der Bein-Innenseite stark belastet“, sagt Norbert Haas, Direktor des „Centrums für muskuloskeletale Chirurgie“ der Charité. „Knorpel und Menisken können abgerieben und verschlissen werden – am Ende reibt Knochen auf Knochen, dadurch kommt es zu starken Schmerzen.“

Sport ist aber bloß ein möglicher Grund für die Fehlstellung. Meist entstehen O-Beine als Folge einer Verletzung, manchmal sind sie auch angeboren oder einer Gewebeschwäche geschuldet. Mit X-Beinen verhält es sich ganz ähnlich – nur „knicken“ in diesem Fall Ober- und Unterschenkel nach innen.

„Bei der Behandlung von O-Beinen ging der Trend jahrelang zu Knieprothesen“, sagt Norbert Haas. „Jetzt aber erlebt die Umstellungsoperation durch neue Techniken und Implantate eine Renaissance.“

Eine solche OP dauert 45 bis 90 Minuten und heißt „Osteotomie“. Ihr Grundprinzip ist einfach, ihre technische Durchführung anspruchsvoll. Operiert wird meist am Schienbeinkopf, also am oberen Teil des Unterschenkels. Der Patient wird in Vollnarkose versetzt – dann kann der Arzt auf der Innenseite des Beins einen Schnitt machen, zum Knochen vordringen und diesen durchsägen. „Mit einem Spreizer wird der Knochen dann an der Schnittstelle aufgeklappt. Diese Methode heißt ,open wedge’.“ Durch starkes oder leichtes Aufspreizen kann der Arzt den richtigen Winkel einstellen, damit der Oberschenkel korrekt auf dem Unterschenkel steht. Damit der Knochen in dieser Position verbleibt, muss er mit einem Implantat aus Titan fixiert werden. Mit Schrauben wird die Platte ober- und unterhalb vom entstandenen Hohlraum befestigt, so dass sie diesen überbrückt. Die Lücke im Knochen wird mit Kunstknochen geschlossen – industriell hergestelltem Material aus Kalzium. Meist geschieht dies bloß unterstützend, denn „der Knochen ist in der Lage, den Hohlraum selbst aufzufüllen.“ Am Ende muss dann die Wunde am Schienbein zugenäht werden.

Dank moderner Implantate verrutscht später nichts mehr. Auch das Risiko, dass bei der OP umliegende Muskeln oder Nerven verletzt werden, ist heute nur noch gering. „Das Hauptrisiko sind Infektionen – wie bei anderen Eingriffen auch.“ In den ersten Wochen braucht der Patient Gehstützen. Meist lässt sich das Bein bald wieder gut bewegen und auch die Schmerzen verschwinden. Björn Rosen

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