Der OP-Kurs : So wird ein Hüftgelenk ersetzt

Björn Rosen

Wenn das Hüftgelenk geschädigt ist und schmerzt, muss es oft durch eine Prothese ersetzt werden. Häufigste Ursache ist Verschleiß durch Arthrose. Auch Unfälle und Entwicklungsstörungen können ein künstliches Gelenk notwendig machen, wie es in Deutschland jedes Jahr rund 180 000- mal eingesetzt wird. Die OP sei „eine der erfolgreichsten Maßnahmen in der Medizin“, sagt Michael Faensen, Leiter des Zentrums für Oberflächenersatz am Hüftgelenk an den DRK-Kliniken Berlin. „Es gibt aber verschiedene Prothesen.“

Das Hüftgelenk verbindet Becken und Oberschenkelknochen. Der kugelige Kopf fügt sich in die Gelenkpfanne des Beckens, eine Art Halbschale, ein. Damit sich das Gelenk reibungslos bewegen kann, sind beide Knochenpartner mit einer glatten Knorpelschicht überzogen. Die Gelenkinnenhaut produziert eine Flüssigkeit, die die Reibung vermindert und das Gelenk „schmiert“.

Mittlerweile gibt es moderne „Oberflächenprothesen“, bei denen nur korrigierende Metallkappen angebracht werden. Müssen Gelenkkopf und -pfanne komplett ersetzt werden, spricht man von einer Total-Endoprothese. Unter Vollnarkose „wird die Haut über dem Hüftgelenk mit einem 10 bis 14 Zentimeter langen Schnitt eröffnet“, erklärt Faensen. Dann muss sich der Arzt am Gesäßmuskel bis zu der Kapsel vorarbeiten, die das Hüftgelenk umgibt. Die grau-weißliche Membran wird schließlich durchtrennt. Dann kugelt der Arzt die Hüfte aus – unterstützt von einem Assistenten, der das Bein des Patienten nach innen dreht. Nun ist der Weg zum Gelenk frei und der oberste Teil des Oberschenkelhalses, der Hüftkopf, kann mit einer Säge entfernt werden. Die Gelenkpfanne wird mit einer motorbetriebenen Fräse bearbeitet: In die geschaffene Vertiefung wird durch Schläge mit einem Hammer eine Halbschale eingeklemmt, die meist aus Titan besteht. Sie hat einen Durchmesser von 46 bis 62 Millimetern. Darin befindet sich eine zweite, kleinere Schale. Sie passt exakt auf den künstlichen Hüftkopf, der nun mit einem Stiel im Oberschenkelknochen verankert wird. Renkt der Arzt die Hüfte wieder ein, greifen Pfanne und Kopf perfekt ineinander.

Häufig werden beide Teile mit einem Kunststoff „einzementiert“ – ob dies nötig ist, hängt vom Knochen des Patienten ab. Auch die verwendeten Materialien können variieren. Zum Einsatz kommt neben Metall und Kunststoffe auch Keramik. Eine Hart-Hart-Paarung, bei der Kopf und Pfanne aus Metall oder Keramik bestehen, ist zwar teuer, gilt aber als sehr gut. „Dabei bildet sich ein schmierender Flüssigkeitsfilm, und der Verschleiß ist sehr viel geringer“, sagt Faensen.

Bei der OP kann es zu Brüchen und Nervenverletzungen kommen. Und das Risiko für Infektionen ist durch den implantierten Fremdkörper höher.

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