DER OP-Kurs : So wird ein Oberarmbruch operiert

Björn Rosen

Eigentlich ist es ein Wunder, was der Körper alles heilen kann: Selbst gebrochene Knochen wachsen wieder zusammen. Aber wenn die Knochenstücke weit auseinander liegen, verwachsen sie schlecht. Deshalb ist manchmal eine Operation nötig. Dabei fixiert der Arzt die Stücke in der richtigen Position. Nur bei wenig verschobenen Brüchen genügt ein Gips oder Schlaufenverband.

„Besonders häufig kommt es zum Oberarmkopfbruch – also einem Bruch in der Schulter“, sagt Stephan David, Oberarzt am Unfallkrankenhaus Marzahn. „Zum Beispiel, wenn alte Menschen, deren Knochen nicht mehr so stabil sind, auf der Treppe stürzen.“ Liegt ein offener Bruch vor, muss sofort operiert werden. Das geschieht immer unter Vollnarkose und in der „Beachchair“-Position, bei der der Patient wie in einem Liegestuhl sitzt. Zuerst wird die Schulter mit einem alkoholgetränkten Tupfer sauber gewischt: insgesamt vier Mal. Wie es dann weitergeht, hängt von der OP-Methode ab. Zwei der wichtigsten sind das „Verplatten“ und das „Vernageln“. Beim Verplatten öffnet der Arzt die Haut der Schulter und arbeitet sich dann tiefer bis zum Knochen vor. Der Anblick, der sich schließlich bietet, erinnert an einen zerbröselten Keks: kleinere und größere Knochenstückchen liegen frei. Nur die größeren werden nun auf einem bleistiftminenstarken Draht (Kirschnerdraht) aufgereiht und in die richtige Anordnung gebracht – „möglichst so, wie man es aus dem anatomischen Lehrbuch kennt“, betont David. Dann wird eine Titan-Platte, die ein bisschen wie ein Löffel aussieht, auf den Schulterknochen aufgelegt – die Löffelschaufel passt dabei perfekt auf den Kopf der Schulter. Dann wird sie festgeschraubt – an den stabilen Teilen des Knochens und an den Bruchstücken. Anschließend kann der Arzt den Kirschnerdraht entfernen. Bevor er die Wunde schließt, muss er sie mit einer desinfizierenden Lösung ausspülen und eine Wunddrainage legen – einen dünnen Schlauch, durch den das Blut aus kleineren Wunden abfließen kann. Andernfalls könnte es zu Entzündungen führen. Zum Schluss werden Haut und Muskeln vernäht; die Platte kann dauerhaft im Körper zurückbleiben.

Beim „Vernageln“ werden nur an einigen Stellen Löcher in die Haut geschnitten. So können Instrumente eingeführt werden – und ein langer, dünner Nagel, den der Operateur längs durch den Knochen und die Bruchstücke bohrt. Auch er funktioniert wie eine stabile Achse für die Knochenteile – nur, dass der Nagel im Gegensatz zur Platte nicht außen, sondern im Knochen verläuft.

Etwa eine Woche bleibt der Patient im Krankenhaus, anfangs muss er einen Schlaufenverband tragen. „Danach ist es wichtig, den Arm viel zu bewegen, also etwa Brote zu schmieren oder die Zeitung beim Lesen in die Höhe zu halten“, sagt Experte David. „Sonst zieht sich das Gewebe zusammen und verklebt.“Björn Rosen

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